Vor dem G8-Gipfel
Europa will sparen und wachsen - gleichzeitig

Die USA fordern vor dem anstehenden G8-Gipel eine entschlossene Haltung der Europäer in der Euro-Frage. Bei einer Videokonferenz verständigten sie sich darauf, dass Sparen und Wachstum keine Gegensätze sind.
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Berlin/Washington/New YorkVor dem Doppelgipfel der G-8 und NATO in den USA hat Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die stetig gewachsenen Abhängigkeiten und Verflechtungen zwischen Europa und den USA hingewiesen. In der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 habe man „gelernt, wie eng wir aufeinander angewiesen sind, wie wenig jeder seine eigene Sache machen kann und wie stark ein gemeinsames Handeln notwendig ist“, sagte die CDU-Chefin in einem heute veröffentlichten Interview des TV-Senders Phoenix.

In einer Videokonferenz haben die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien deshalb gemeinsame Positionen für den G8-Gipfel in Camp David abgesteckt. In der Schaltkonferenz von Angela Merkel, François Hollande, Mario Monti und David Cameron „bestand hohe Übereinstimmung, dass fiskalische Konsolidierung und Wachstum keine Gegensätze sind, sondern dass beides benötigt wird“, wie Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag im Anschluss mitteilte. An der Beratung nahmen auch die Präsidenten der EU-Kommission und des EU-Rats, José Manuel Barroso und Herman Van Rompuy, teil.

Bei einer Debatte der UN-Vollversammlung sagte Barroso, die EU-Länder müssten im Kampf gegen die Schuldenkrise ihren „Kurs halten, ohne blind für die wirtschaftliche Entwicklung zu sein“. Glücklicherweise sei es erlaubt, sich den „Umständen“ anzupassen und dennoch entschlossen auf „gesunde öffentliche Finanzen“ zu achten. Er rief die EU-Länder auf, mit strukturellen Reformen und „gezielten Investitionen“ gute Voraussetzungen für ein Wirtschaftswachstum zu schaffen. Barroso thematisierte damit die innereuropäischen Differenzen im Kampf gegen die Schuldenkrise. Während der neue französische Staatschef François Hollande gegen den reinen Sparkurs ist und den europäischen Fiskalpakt wieder aufschnüren will, lehnt Bundeskanzlerin Angela Merkel Änderungen an dem teilweise bereits ratifizierten Pakt ab.

Die USA hatten die Europäer vor dem G8-Gipfel zu einer entschlosseneren Haltung in der Euro-Frage aufgerufen. Bei dem zweitägigen Gipfel in Camp David kommen die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland (G-8) zusammen. Bei dem Treffen auf dem Landsitz von US-Präsident Barack Obama soll es unter anderem um die Schuldenkrise in der Euro-Zone, die Gewalt in Syrien und die Zukunft Afghanistans gehen. Im Anschluss findet am Sonntag und Montag in Chicago der NATO-Gipfel statt. Der Doppelgipfel ist der erste Auftritt auf internationaler Bühne des neuen französischen Präsidenten François Hollande, der am Freitag von Obama im Weißen Haus empfangen wird.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • "Von 122 Milliarden gehen 57 Milliarden in die Landwirtschaft, um seit jahrzenten nicht wettbewerbsfähige Landwirte zu füttern."

    Wenn Sie deutschen Landwirten die Subventionen streichen wollen, dann brauchen wir als Ersatz riesige Agrarfabriken und eine Flurbereinigung, die Feldgrössen nicht in Ar sondern in Quadratkilometern bemisst, nebst totalem Kahlschlag. Wie erklären sie das den Wutbürgern und den Öko-Freaks?? Oder wir verzichten auf Landwirtschaft und vertrauen darauf, dass uns die Russen, Amerikaner oder Chinesen durchfüttern? Wollen Sie das?

  • Diesen Ausführungen kann ich mich nur noch anschließen.
    Danke

  • Hier finden Sie den Haushalt der EU von 2000 bis 2010:

    http://ec.europa.eu/budget/library/biblio/publications/2010/fin_report/fin_report_10_data_de.pdf

    Von 122 Milliarden gehen 57 Milliarden in die Landwirtschaft, um seit jahrzenten nicht wettbewerbsfähige Landwirte zu füttern.

    Von den verbleibenden 65 Milliarden gehen vielleicht 30% in wirklich sinnvolle Projekte, die irgendeiner wirtschaftliche Entwicklung der EU fördern könnten.

    Der EU Haushalt ist von Lobbies gesteuert und stellt das größte korrupte System der Welt dar.
    Wenn Frau Merkel über eine EU-Wirtschaftregierung sinniert und sagt, daß vorhandene Mittel besser eingesetzt werden sollen, meint sie wahrscheinlich damit, das korrupte und von Lobbyisten gesteuerte EU-System zu reformieren.
    Also DoktorDip, wir brauchen nicht zu sparen, wir müssen das vorhanden Geld nur sinnvoll einsetzen. Zum Beispiel für Solarkraftwerke in Griechenland, den Bau von Altenheimen usw. und alles nur mit mindestens 60% Beteiligung privater Investoren. Damit werden nachhaltig neue Arbeitsplätze geschaffen.


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