Vor dem Staatsbankrott
IWF schnürt Hilfspaket für Island

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat nach tagelangen Verhandlungen auf der Insel im Nordatlantik ein Hilfspaket geschnürt, mit dem das Land nach dem Kollaps des Finanzsystems und der Verstaatlichung der drei größten Banken vor dem Staatsbankrott gerettet werden soll.

HB STOCKHOLM. Auf zwei getrennten Pressekonferenzen gaben die isländische Regierung und der IWF die vorläufigen Details zur der Milliardenhilfe bekannt: Danach wird der IWF dem Inselstaat zwei Mrd. Dollar (1,6 Mrd. Euro) als zweijährigen Kredit zur Verfügung stellen. Dafür verpflichtet sich Island, einen Maßnahmenkatalog zur Sanierung des Finanzsystems auszuarbeiten.

Eines ist schon jetzt sicher: Das Hilfspaket wird für alle der rund 320 000 Isländer zu spüren sein. Denn die Regierung muss drastische Haushaltskürzungen vornehmen, um die Folgen des Beinahe-Zusammenbruchs des Finanzsystems zu finanzieren. Ein IWF-Vertreter erklärte in Reykjavik, dass die isländische Wirtschaft im kommenden Jahr um bis zu zehn Prozent schrumpfen könne.

Die offizielle IWF-Bewilligung steht noch aus, da die Delegation, die seit einer Woche in Reykjavik mit Regierungsvertretern verhandelte, den Maßnahmenkatalog zunächst dem Vorstand des IWF in Washington zur Genehmigung vorlegen muss. Das soll jedoch bereits zu Beginn der Woche geschehen. Nach der Genehmigung wird Island direkt 830 Mio. Dollar als Sofortkredit erhalten. Island ist das erste westeuropäische Land seit 1976, das den Währungsfonds um Hilfe bittet. Damals musste der IWF Großbritannien unter die Arme greifen.

Der isländische Premier Geir Haarde begrüßte die Einigung und betonte, dass die Einigung mit dem IWF alle Voraussetzungen habe, die isländische Krone wieder zu stabilisieren und ein stabileres Finanzsystem aufzubauen. Gleichzeitig drückte er die Hoffnung aus, dass die IWF-Hilfe als Türöffner für entsprechende Abkommen mit einzelnen Staaten dienen kann. Weitere Hilfe ist auch notwendig, denn der IWF beziffert den Gesamtbedarf für die kommenden zwei Jahre auf rund sechs Mrd. Dollar.

Dänemark, Norwegen und Schweden haben prinzipiell bereits Hilfe signalisiert. Auch Japan soll unbestätigten Berichten zufolge bereit sein, dem schwer angeschlagenen Island finanziell unter die Arme zu greifen. Gleichzeitig verhandelt Island weiter mit Russland über einen Vier-Mrd.-Euro Kredit. Diese Verhandlungen verliefen bislang allerdings ergebnislos. Premier Haarde hatte die Bitte an Russland um finanzielle Hilfe damit begründet, dass ein entsprechender Vorstoß im Westen ohne Ergebnis geblieben war.

Die Stabilisierung des Wechselkurses gehört zu den wichtigsten Aufgaben. Das unterstrich auch noch einmal der IWF-Chefverhandler Paul Thomsen in Reykjavik. Denn derzeit ist ein normaler Zahlungsverkehr gefährdet, da verschiedene ausländische Banken keine isländischen Kronen mehr akzeptieren. Für isländische Unternehmen hat das bereits zu bedrohlichen Konsequenzen geführt, da sie bei Importen Vorkasse in ausländischen Währungen leisten müssen. Außerdem ist die Stabilisierung des Wechselkurses Voraussetzung für eine Bekämpfung der Inflation, die mittlerweile die 20-Prozent-Marke tangiert.

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