Vor den Protesten
Ägypten befürchtet Krawalle wegen Mubarak-Entlassung

Ägyptens Langzeit-Herrscher Mubarak hat sein Gefängnis verlassen und kommt wieder zu Kräften. Viele Ägypter sind über seine Entlassung aus der Haft empört, doch momentan dominieren ganz andere Sorgen.
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Kairo/IstanbulIn Ägypten haben sich Sicherheitskräfte eine Woche nach den bislang heftigsten Zusammenstößen mit Islamisten auf erneute Proteste vorbereitet. Allerdings hielten sich Militär und Polizei am Freitag in Kairo zunächst zurück und zeigten nur an vereinzelten Stellen Präsenz. Die durch Verhaftungen ihrer Spitzenleute und durch das kompromisslose Durchgreifen der Sicherheitskräfte geschwächten Muslimbrüder hatten zu einem „Freitag der Märtyrer“ aufgerufen. Befürchtet wurde, dass die Proteste Auftrieb durch die Entlassung des langjährigen und weithin verachteten Machthabers Husni Mubarak bekommen könnten.

Die neue ägyptische Führung steckt trotz internationaler Kritik immer mehr Mitglieder der Muslimbruderschaft ins Gefängnis. In der Nacht zum Freitag wurden in der Oase Fajjum südlich von Kairo vier lokale Führungskader der Islamisten-Organisation festgenommen, wie die Website „Al-Shorouk“ berichtete. Die Entlassung des ehemaligen Präsidenten Husni Mubarak (85) aus der Haft sorgt im Land weiter für Zündstoff.

Die Muslimbrüder, die für die Wiedereinsetzung ihres gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi kämpfen, wollen die Proteste nach den Freitagsgebeten in 28 Kairoer Moscheen beginnen. Allerdings waren die Gottesdienste in den beiden Moscheen bei den aufgelösten Protestlagern abgesagt worden. Die geplanten Kundgebungen gelten als Test dafür, welche Kraft die die Muslimbrüder noch haben und wie viele Menschen sie mobilisieren können. In der vergangenen Woche war die Organisation durch Verhaftungen ihre Spitzenvertreter zusätzlich geschwächt worden.

Am 14. August hatten Sicherheitskräfte die beiden Mahnwachen mit tausenden von Teilnehmern in Kairo aufgelöst. Zwei Tage später hatten die Muslimbrüder zu Massenkundgebungen aufgerufen. Vergangenen Freitag und Samstag kam es zu den bislang folgenschwersten Zusammenstoßen. Nach Angaben der vom Militär eingesetzten Übergangsregierung starben mindestens 900 Menschen, darunter hundert Polizisten und Soldaten. Die Muslimbrüder gehen von wesentlich höheren Opferzahlen aus.

Bei der Moschee Fateh, wo bei Feuergefechten vor einer Woche viele Menschen getötet worden waren, parkten zwei gepanzerte Mannschaftswagen. Bei dem Rabaa al-Adawiya-Platz stand nur ein Lastwagen der Bereitschaftspolizei. An diesem Ort hatte sich das größere der beiden Protestlager in Kairo befunden. Die Regierung hat für die Dauer eines Monats den Notstand verhängt und eine nächtliche Ausgangssperre erlassen.

Unabhängig von den Muslimbrüdern hatten verschiedene Revolutionsgruppen zu Protesten gegen Mubaraks Entlassung aus der Haft aufgerufen. Der frühere Staatschef durfte am Donnerstag das Gefängnis verlassen. Er wurde in ein Militärkrankenhaus gebracht, wo er nun unter Arrest steht. Mubarak war im Februar 2011 vom Militär zum Rücktritt gezwungen worden. Er muss sich vor Gericht wegen der Tötung von mehr als 800 Demonstranten verantworten. Sein Nachfolger Mursi war im Gegensatz zu Mubarak in einer freien und demokratischen Wahl ins Amt gekommen. Allerdings hatte der Muslimbruder Mursi durch seinen islamistischen Kurs immer mehr Ägypter gegen sich aufgebracht, bis er schließlich vom Militär gestürzt wurde. Viele Ägypter dürften in der Freilassung Mubaraks – der selber aus den Reihen des Militärs stammte – eine Rehabilitierung der alten Führung und einen Rückschlag für die Demokratiebewegung sehen.

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