Vor der Staatspleite
Euro-Krise zieht Serbien in den Abgrund

Bis Jahresende muss Belgrad mehrere Milliarden Euro auftreiben, um zu überleben. Der Balkan leidet unter Kollateralschäden der Euro-Krise. Südosteuropa fällt damit weiter zurück.
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DüsseldorfEs ist erst wenige Jahre her, da kämpfte der Oppositionspolitiker Tomislav Nikolic noch für ein großserbisches Reich. Heute, als neu gewählter Staatspräsident, kann er sich diesen Chauvinismus nicht mehr leisten: Ausgerechnet die Regierung unter dem früheren Ultranationalisten muss als Bittsteller auftreten, wenn sie derzeit mit der Delegation des Internationalen Währungsfonds (IWF) um ein Hilfsprogramm verhandelt.

Er hat keine Wahl: Belgrad benötigt dringend neue Kredite, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden: „Wir brauchen bis Jahresende fast drei Milliarden Euro, nur um zu überleben“, sagte Vize-Regierungschef Aleksandar Vucic dem Handelsblatt. Sonst könne die Regierung schon bald Löhne und Pensionen nicht mehr zahlen.

Der erst seit zwei Monaten amtierenden Regierung läuft der Haushalt aus dem Ruder, das Defizit summiert sich auf rund sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die knappen Finanzen zwingen die Regierung zum Sparen - dabei schrumpft die Wirtschaft dieses Jahr wohl ohnehin um mindestens ein Prozent. Jeder Vierte arbeitsfähige Serbe sucht einen Job, die Inflation erreicht bald zehn Prozent.

Die prekäre Lage führt dazu, dass sich Belgrad nur noch zu hohen Zinsen an den Märkten Geld leihen kann. Deshalb drängen Nikolic und Premier Ivica Dacic den IWF dazu, einen im Frühjahr eingefrorenen Kredit freizugeben. Die Banker aus Washington machten aber im Vorfeld ihrer Visite in Belgrad klar, neue Gelder stünden derzeit nicht zur Debatte. Parallel bemüht sich Belgrad auch in Russland, China, Aserbaidschan und der Schweiz um Hilfe. "Noch ist aber nichts vereinbart", so Vucic.

Auch wenn die Krise nicht ganz so akut ist: In den anderen Ländern des Balkans ist die wirtschaftliche Lage kaum besser als in Serbien. Bosnien-Herzegowina droht 2012 ebenfalls eine Rezession, im Vorzeigeland Kroatien, das Mitte 2013 der EU beitritt, schrumpft die Wirtschaft voraussichtlich um 1,5 Prozent.

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  • Die hetzerischen Kommentare sind zum Glück schon gelöscht.
    Ich habe als Deutscher ein Jahr in Serbien gelebt. Ich kann nur sagen, die Serben, die ich kennengelernt habe, sind herzlich, freundlich und hilfsbereit. Die Art und Weise wie über dieses Volk in der westlichen Welt gesprochen wird, ist einfach nur armseelig. In jedem Volk gibts gute und schlechte Menschen, so wie es dicke und dünne Menschen gibt, aber ein ganzes Volk zu dämonisieren ist krank!
    Zum Thema, ich kann Herrn Nikolic nur empfehlen: Bitte bewahren Sie Serbien vor der EU! Auch wenn es dem Westen nicht passt, macht euer Ding. Versucht das Land so gut es geht autark zu machen. Wenn die große Finanzblase platzt und die Supermärkte in den westlichen Großstädten leer bleiben, wird jeder der ein Stück Land zum bewirtschaften hat, sehr viel Glück haben. Weil es in Serbien noch viele kleine Bauern gibt, wird es den Serben leichter fallen, den ganz großen Crash zu überstehen. Ich würde an Nikolic seiner Stelle nicht lange fackeln, so wie in Argentinien, Staatsbankrott erklären und neu anfangen, bevor ich weiter das Geld den Banken in den Rachen werfe! Die Reformen gegen die Korruption sind richtig und gut, aber ziemlich schwer. Serbien hat Potential, wenn man sich nicht am Westen orientiert, sondern wenn man sein eigenes Ding macht.

  • Es eine bodenlose Frehheit wie hier über ganzes Volk hetzerisch gesprochen wird. Bei allen wirtschaftlichen Problemen, sollte man nicht noch mit Beleidungen um sich werfen. Es gibt zig Tausende integrierte Serben in Deutschland, Österreich und der Schweit. Sie alle als kriminell und aggressiv zu diffamieren, wäre menschenverachtend.

    Also sachlich bleiben!
    Danke.


  • Serbiens politische Mafia-Klasse , sprich Kleptokratenklasse, steht Samaras und Co. in nichts nach ( halt die "alte orthodoxe politische Schiene", besonders zu Milosevics Zeiten sehr ausgepraegt, Embargoprofite etc etc ).

    Sieh hierzu auch die Publikation " Die Balkanmafia ". Deckt Komplex GR - Serbien völlig ab.

    Da trudeln wohl noch paar auslaendische Banken mit ihrer grosszuegigen Kreditvergabe.

    Die Nichtprofiteure , sprich diejenigen, die weder vom System profitieren noch der Mafia angehören, versucht mit Schattenwirtschaft und Überweisungen von im Ausland lebenden Verwandten zu überleben. Viel bleibt bei steigenden Lebensmittelpreisen und einem Einkommen von 200 - 400 Euro nicht übrig. Grosse Teile der Bevoelkerung darben.

    Griechenland wird gefüttert, der Restbalkan stürzt ungefiltert ins Elend. Tolle "EU fast food policy". So waren sie halt schon immer..
    Kleine grosskotzige EU Mäuler.
    Bosnien droht Rezession: Das Land lebt seit dem Krieg in einer Rezession.... Artikel strotzt vor Unwissen, fehlendem Verständnis für politische Entwicklung und Zusammenhänge, aus der hohlen Hand geschrieben.
    Reiht sich ein in die seit geraumer Zeit z. T hahnebüchene Berichterstattung in deutschen Medien zur Euro-Krise.

    Empfehle allen die britsche Economist. Sehr kritisch und ausgewogen in seiner EU/Euro Berichterstattung.

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