Vor der Wahl in Myanmar
Viel Krach, wenig Vision

Nach Militärdiktatur und vier Jahren Experimenten mit der Demokratie will Myanmar erstmals frei wählen lassen. Jetzt erschüttert eine Revolte die Regierungspartei – und die Lichtgestalt enttäuscht viele.
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RangunShwe Mann mag Pastelltöne, lindgrün, babyblau, hellbeige. Die Farben trägt der Parlamentspräsident Myanmars gerne als Jacke, zur Landestracht mit dem Wickelrock. Der Mann, der lange als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat galt, redet sanft, und um die Lippen spielt fast immer ein leises Lächeln. Das Lächeln ist auch auf alten Fotos zusehen, auf denen er als Nummer drei der brutalen Militärjunta, die bis 2011 regierte, in Generalsuniform zu sehen ist.

Die Wandlung vom Unterdrücker zum artigen Demokraten war rasant. Zu rasant für seine vom Militär gegründete Partei USDP. Mit einem Aufmarsch der Militärpolizei vor der Tür schasste die Partei ihren Vorsitzenden am Donnerstag. „Er hat alle Unterstützung verloren“, sagte ein Mitglied des verbliebenen Führungszirkels.

„Das sieht ganz nach einem Sieg der alten konservativen Kräfte aus“, sagt Sean Turnell, Wirtschaftsprofessor an der Macquarie-Universität in Sydney, der Deutschen Presse-Agentur. „Auf jeden Fall wird die Wahl im November damit klarer: auf der einen Seite stehen die Kräfte der Demokratie, auf der anderen Seite die, die dagegen sind.“

Das alte Regime ist immer noch gegenwärtig. Nicht nur sind sämtliche Schlüsselfiguren der Regierung Ex-Generäle der Junta. Im Parlament hält das Militär auch 25 Prozent der Sitze. Die Verantwortlichen für das Massaker 1988 an demonstrierenden Studenten und für die Niederschlagung des Mönchsaufstands 2007 blieben ungeschoren. Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi sitzt im Parlament neben denen, die sie 15 Jahre unter Hauarrest verbannt hatten.

Sie ist eigentlich die Lichtgestalt im Land. Analysten rechnen mit einem Wahlsieg ihrer Partei, der NLD. „Es ist eigentlich egal, was sie sagt oder wie ihr Parteiprogramm aussieht“, sagt Soe Myint, Chefredakteur der Mizzima-Mediengruppe. „Hauptsache ist, dass sie nicht das Militär und die derzeitige Regierung verkörpert.“

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