Vor der Wahl in Spanien
Die Arbeitslosen misstrauen den etablierten Parteien

Essen von der Suppenküche, Geld von den alten Eltern: So müssen viele Spanier leben. Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 21 Prozent, bei Jugendlichen ist sie noch höher. Das hat Folgen für die heutige Wahl.

MadridGema Martín hat ihre Stelle unter der sozialistischen Regierung in Spanien verloren und hat auch unter der konservativen Mehrheit keinen neuen Job gefunden. Als Teilzeit-Angestellte in der Verwaltung einer Firma hatte sie 2008 noch „800 Euro, ich hatte eine Krankenkasse, Urlaub“, erinnert sich die 43-Jährige. Heute überlebt sie im Madrider Vorort Vallecas teils durch Suppenküchen für Hilfsbedürftige, teils durch die Unterstützung ihrer 73-jährigen Mutter. „Ich bekomme kein Arbeitslosengeld mehr. Auch keine Hilfe.“

So wie Gema geht es vielen Menschen in Spanien, wo am Sonntag das Parlament neu gewählt wird. In der Finanz- und Wirtschaftskrise wuchs das Heer von Arbeitslosen an, zu denen auch der Ehemann von Gema zählt, der früher bei einer Versicherung arbeitete. „Meine Mutter hilft uns. Sie hat eine Rente von 632 Euro, aber die Miete liegt bei 552 Euro“, sagt Gema. Immerhin konnte die Mutter so verhindern, dass ihre Tochter auf der Straße landete.

Bei rund 21 Prozent liegt die Arbeitslosenquote in Spanien, bei den Jugendlichen noch weit höher. Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen unter dem konservativen Regierungschef Mariano Rajoy auf rund 4,15 Millionen Anfang Dezember leicht zurückgegangen ist - der Höchststand war 2013 mit rund sechs Millionen erreicht - so liegt dies doch einfach auch daran, dass die Zahl der Erwerbsfähigen gesunken ist.

Die politischen Gegner Rajoys, dessen Partei bei der Wahl am Sonntag laut Umfragen zwar wieder zur stärksten Kraft werden könnte, der aber die absolute Mehrheit verlieren dürfte, prangern viele neue Stellen als „Müll“-Jobs von maximal einer Woche Dauer an. Die gesamte Opposition - Sozialisten, die Liberalen von Ciudadanos und die anti-liberale, linksgerichtete Podemos-Partei - fordert auf jeden Fall eine Reform im Bildungs- und Ausbildungswesen.

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Die Arbeitslosen misstrauen den etablierten Parteien

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Gelegenheitsjob statt Zukunftsträumen

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