Vor der Wahl
Weidmann und Brüderle warnen Griechenland

Kurz vor den Wahlen in Griechenland wächst die Sorge über den politischen Kurs in Athen. Bundesbankpräsident Weidmann und FDP-Politiker Brüderle appellieren an die Vernunft der Griechen - und drohen mit Konsequenzen.
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Berlin/MailandBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat Griechenland unmittelbar vor der Parlamentswahl vor einem möglichen Ausscheiden aus der Euro-Zone gewarnt. Sollte Griechenland seine Zusagen nicht einhalten, würde das zu einer Unterbrechung bei der Geldversorgung führen, sagte Weidmann der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" vom Freitag. "Und das wiederum könnte Rückwirkungen auf die Möglichkeit eines Verbleibs in der Euro-Zone haben."

Der Ausgang der Parlamentswahl in Athen am Wochenende könnte nach Einschätzung von Beobachtern das Ende des Euros in Griechenland besiegeln, sollten sich die Spar- und Reformgegner bei dem Urnengang durchsetzen.

Über Italien sagte Weidmann, das Land sei mit seinem Reformkurs auf dem richtigen Weg. Zum angekündigten Hilfspaket für Spaniens Banken im Volumen von 100 Milliarden Euro erklärte Weidmann, dies biete einen ausreichenden Sicherheitspuffer.

Zudem sagte Weidmann, die Verbindungen zwischen Regierungen und den jeweiligen Banken des Landes sollten durch eine Bankenunion durchbrochen werden.

Auch der Chef der FDP-Bundestagfraktion, Rainer Brüderle, hofft auf ein Bekenntnis des Landes zu den angestoßenen Sparmaßnahmen. "Ich glaube, der bessere Weg wäre, Reformen durchzuführen und im Euro zu bleiben", sagte Brüderle am Freitag im ZDF-"Morgenmagazin". Bei der Wahl am Sonntag hätten die Griechen eine "klare Alternative".

Sollte das Land seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, droht Brüderle den Griechen offen mit dem Ausschluss aus der Eurozone. "Ich glaube, es geht nicht anders, denn Verträge können nicht beliebig gebrochen werden", sagte er. Europa werde zu einer Lachveranstaltung, wenn die griechischen Parlamentsbeschlüsse nicht gehalten würden. Die europäischen Hilfen seien sehr großzügig, aber "jetzt müssen die Griechen auch vertragstreu sein".

Die Grenzen der europäischen Rettungsbemühungen seien in Sichtweite, sagte Brüderle. Es sei den Steuerzahlern in Deutschland und anderen Ländern nicht zumutbar, dass beliebig viel Geld auf den Tisch gelegt werde, ohne dass Griechenland Reformen umsetze. Er glaube bei der Parlamentswahl am Sonntag aber an einen Sieg der Reformer.

Die Griechen sind am Sonntag erneut zur Stimmabgabe aufgerufen, weil nach der Parlamentswahl Anfang Mai keine Regierung zustande kam. Nun wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der konservativen Partei Nea Dimokratia und dem Linksbündnis Syriza erwartet, das die mit den Krediten von EU, Europäischer Zentralbank und IWF verbundenen Kürzungsmaßnahmen ablehnt.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Vor der Wahl: Weidmann und Brüderle warnen Griechenland"

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  • Das hat Schäuble gesagt?
    Da hat er auf Lenin zugegriffen und Lenis Satz nur etwas abgewandelt. Der sagte nämlich mal "willst Du ein Land vernichten, mußt Du seine Währung zerstören"
    Was für ein Drecksack ist Schäuble, ich bin entsetzt

  • Tabi
    das Schlimme derzeit bei uns ist ja, dass nciht andre uns gängeln, sondern dass es die eigenen Politiker sind, die gegen das deutsche Volk agieren, das hat es so auch noch nicht gegeben

  • Wobei ja gerade Merkel die Planwirtschaft wiedr einführt.

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