Vor Euro-Gipfel
Diskussion um Euro-Bonds spitzt sich zu

US-Präsident Barack Obama hat Europa nach dem Nato-Gipfel die Leviten gelesen. Europa bedeute „mehr als eine Währung“. Unterdessen zeichnet sich vor dem Euro-Gipfel am Mittwoch heftiger Streit ab.
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ChicagoUS-Präsident Barack Obama hat den Europäern kräftig die Leviten gelesen. Diese müssten „begreifen, dass das Euro-Projekt mehr bedeutet als eine Währung“, sagte er zum Abschluss des NATO-Gipfels in Chicago. Notwendig seien eine „engere Koordinierung auf der finanz- und geldpolitischen Seite und für die Wachstumsagenda“. Der US-Präsident forderte insbesondere eine Geldpolitik, die reformwilligen Ländern wie Spanien und Italien „eine Perspektive für mehr Wachstum, Jobs und höhere Einkommen gibt“.

Ob er damit noch niedrigere Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) meinte, oder einen Einstieg der EZB in die Staatsfinanzierung, blieb am Montag offen. Kanzlerin Angela Merkel lehnt das vehement ab. Der neue französische Staatschef François Hollande dagegen will, dass die EZB Euro-Sorgenkindern direkt Geld leihen kann, um ihnen mehr Luft zu verschaffen. Mit beiden hatte Obama am Freitag und Samstag auf dem G-8-Gipfel über die Schuldenkrise beraten.

Auch Spaniens Ministerpräsident hat schnelle Lösungen für Finanzstabilität gefordert. Es gebe Entscheidungen, die könnten innerhalb von 24 Stunden umgesetzt werden, sagte Rajoy am Montag vor Journalisten auf dem Nato-Gipfel in Chicago. Euro-Bonds hält Rajoy als schnelle Hilfsmaßnahme für ungeeignet. Dafür sei Zeit und eine Debatte notwendig, fügte der Regierungschef hinzu.

Frankreichs Präsident Francois Hollande hat den Einsatz von Euro-Bonds vorgeschlagen, um die Krise in der Euro-Zone zu lösen. Einen entsprechenden Antrag will Hollande auf dem informellen EU-Gipfel am Mittwoch in Brüssel stellen. Deutschland lehnt Euro-Bonds seit langem vehement ab. Hollande will die Euro-Bonds auch beim informellen EU-Gipfel am Mittwoch zum Thema Wachstum zum Thema machen. „Alles wird auf dem Tisch liegen“, sagte Hollande auf einer Pressekonferenz nach dem Nato-Gipfel. „So wie ich von Eurobonds spreche, ist es rechtmäßig, dass die Deutschen von Strukturreformen reden“, fügte der Sozialist hinzu.

Investoren schauen gerade besonders aufmerksam auf Spanien. Das Land kämpft mit gewaltigen Finanzlöchern in seinem Bankensystem. Hinzu kommt die Rezession, die die Probleme noch verschärft. Vize-Wirtschaftsminister Fernando Jimenez Latorre hatte jüngst erklärt, Spanien habe die notwendigen Einsparungen vorgenommen und Strukturreformen eingeleitet. Nun sei es Aufgabe der Europäischen Zentralbank zu handeln.

Frankreichs neuer Präsident Francois Hollande hatte Euro-Bonds vorgeschlagen, um die Krise in der Euro-Zone zu lösen. Dieser Vorschlag soll auch auf dem informellen EU-Gipfel am Mittwoch in Brüssel gemacht werden. Deutschland lehnt Euro-Bonds jedoch seit langem vehement ab. Die Kanzlerin betonte, dass es auch mit Hollande „eine Kontinuität der guten Zusammenarbeit (gibt), das schließt unterschiedliche Positionen nicht aus“.

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  • @malvin,
    das ist der Plan, Frankreich ist gegen Schäuble als Eurogruppenchef jedoch könnte sich Frankreich erweichen lassen wenn die Eurobonds kommen doch für Schäuble zu stimmen und da der Schäuble schon immer vergesslich war (100000,- DM in der Schublade)wirde er wohl auch bald vergessen, dass er gegen Eurobonds war.

  • @ PeterScholz1,
    als man Friedrich der Große fragte warum er Österreich angreife, soll er geantwortet haben: "Weil ich es kann".
    Daran hat sich bis heute nicht geändert, das deutsche Volk braucht Lebensraum: Kein Problem man versucht es den anderen Länder wegzunehmen.
    Deutschland braucht voll Beschäftigung und will größter PKW-Hersteller der Welt werden: Kein Problem, man erreicht es über den Leistungsbilanzüberschuss auf Kosten der anderen Euro-Länder.
    Ich bin gespannt wie es diesmal ausgehen wird.
    Der Schuss ist schon mal nach hinten los gegangen!

  • Oh Gott oh Graus man flippt hier aus.
    1. Obama?
    Finde ich gut, dass die Pleitegeier Nr. 1 denen Ratschläge geben, die Jahrelang verzichtet haben und durch harte Arbeit da stehen wo sie jetzt stehen. (war neulich in Schweden, die bewundern uns ja geradezu für unsere effizienz und harte Arbeit.) Vom rumsitzen gings halt leider noch nie lange gut.
    2. Eurobonds?
    erinnert mich ein wenig an das typische Banken System:
    Ah Kunde sie haben Geldsorgen, nehmen sie doch einen Kredit auf und noch einen und noch einen. Aber lieber Kunde warum zahlen sie denn nicht zurück, ah keine Lust.
    naja schreiben wir ab oder holen es von denen die genügend durch harte Arbeit erwirtschaftet haben (ala private Insolvenz)
    3. Rassenhass
    man sollte nun endlich mal mit dem, der Deutsche ist.., der Türke macht..., der Spanier tut... aufhören, das ist alles bescheuert und bringt nichts.
    4. Deutschland ohne Euro geht nicht mehr, sehe ich auch nicht als Zukunft, einheitliche Wirtschafts und Finanzpolitik würde da schon eher helfen. Dazu gehört aber auch, dass Länder wie Griechenland nun mal Einschnitte hinnehmen müssen, haben wir Deutschen auch getan jahrelang (und dennoch ging es uns nicht schlecht) haben halt früher die Weichen gestellt und nicht erst wenn der Zug darüber hinweggefahren war.

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