Vor Karsai-Besuch: Kompletter US-Abzug aus Afghanistan wäre möglich

Vor Karsai-Besuch
Kompletter US-Abzug aus Afghanistan wäre möglich

Erstmals räumt das Weiße Haus die Möglichkeit ein, sich nicht nur teilweise, sondern komplett aus Afghanistan zurückzuziehen. Das könnte sich auf anstehende Gespräche mit dem afghanischen Präsidenten Karsai auswirken.
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Washington/BerlinDie US-Regierung schließt einen Abzug aller US-Truppen aus Afghanistan nach dem Ende des Nato-Einsatzes 2014 nicht aus. Das sei eine Option, die erwogen werde, sagte der stellvertretende Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama, Ben Rhodes, am Dienstag kurz vor einem Besuch des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Es war die bisher deutlichste Aussage, dass Obama entgegen den Empfehlungen des Militärs sämtliche Soldaten abziehen könnte, wie dies bereits 2011 im Irak geschah.

Das Militär rät dagegen, bis zu 15.000 Soldaten in Afghanistan zu lassen. Die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff warnte, ein kompletter Abzug der USA könne auch das Aus für den Bundeswehr-Einsatz bedeuten, da die deutschen Soldaten unter anderem auf die Unterstützung durch US-Hubschrauber angewiesen seien.

Bundesverteidigungsministerium und Auswärtiges Amt reagierten indes zurückhaltend auf die Ankündigung aus Washington. Es handle sich dabei um „Optionen fern jeder Realisierung", die da geäußert worden seien, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Peschke. Die Beratungen über die Zeit nach 2014 liefen momentan, und es herrsche international große Übereinstimmung in der Absicht, die Afghanen nicht allein zu lassen.

„Wir sollten einfach auf die Beschlusslage schauen", verwies auch der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Stefan Paris, auf die Versprechen des Nato-Gipfels von Chicago. Zur Frage, ob die Bundeswehr auch ohne die US-Truppen in Afghanistan bestehen könne, wollte er sich nicht äußern. „Die Frage ist mir zu hypothetisch", erklärte er.

Nach dem Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen 1989 war Afghanistan ins Chaos und in den Bürgerkrieg gestürzt. In den vergangenen Jahren hatte die internationale Gemeinschaft dem Land am Hindukusch immer wieder versprochen, dies nicht noch einmal geschehen zu lassen und einen Abzug verantwortungsvoll zu gestalten.

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