Vor Kongresswahlen
Obama räumt eigene Fehler ein

Gut zwei Wochen vor den Kongresswahlen in den USA hat Präsident Barack Obama taktische Fehler in der ersten Hälfte seiner Amtszeit eingeräumt. Umfragen zeigen, wie sehr er an Beliebtheit eingebüßt hat. Selbst die Jugend, die Obama 2008 begeistert ins Amt begleitete, ist frustriert.
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HB NEW YORK. "Ich denke, jeder, der dieses Amt (des US-Präsidenten) bekleidet hat, wird sich daran erinnern, dass der Erfolg von einem Zusammenspiel von Beidem abhängt, und dass man Marketing, PR und die öffentliche Meinung nicht vernachlässigen darf", sagte Obama dem Sonntagsmagazin der "New York Times". Er habe seine "Lektion gelernt", als er zugelassen habe, als ein linker Demokrat alter Schule dargestellt worden zu sein, obwohl er sich im Wahlkampf als moderner Kämpfer für einen politischen Wandel präsentiert habe. Über die bisherige Umsetzung seiner Wahlversprechen sagte Obama, es seien «vielleicht 70 Prozent« erfüllt worden. Die Regierung Obama hat unter anderem gegen heftige Widerstände der oppositionellen Republikaner die Gesundheitsreform durchgesetzt sowie eine Neuordnung des Finanzsektors.

Den Republikanern wird für die Wahlen am 2. November ein Stimmengewinn vorausgesagt. Bei der Wahl werden die Abgeordneten des Repräsentantenhauses neu bestimmt sowie ein Drittel der Senatoren, zudem werden in einigen Bundesstaaten die Gouverneure gewählt.

Will der Präsident das Blatt noch wenden, muss er alle Register ziehen. Alarmierend ist etwa, dass die Popularität des Präsidenten bei jungen Leuten zwischen 18 und 29 Jahren dramatisch gefallen ist: Vor zwei Jahren fanden ihn sage und schreibe 84 Prozent gut - heute liegt die Quote gerade noch bei 58 Prozent, wie eine Umfrage von „ABC News“ herausfand. Andere Umfragen belegen, dass fast 60 Prozent der Jugend Politik nur noch mit Zynismus verfolgen.

Beispielhaft für das Stimmungstief steht der jüngste Auftritt Obama's im Musiksender MTV. Einige der jungen Leute bei MTV trugen Jeans und karierte Hemden, andere Krawatte und Jacket. Angeblich ein „handverlesenes Publikum“, wie Kritiker monierten. Dennoch stellte die Jugend heikle Fragen. Zur Arbeitslosigkeit meinte Obama etwa, die meisten Leute hätten ihren Job bereits verloren, bevor er sein Amt überhaupt angetreten habe. Ist das ein Trost für junge Jobsuchende? Zum Thema Parteiengezänk antwortet Obama: „Tolle Frage ... Ich glaube schon, dass es eine Reihe von guten Ideen von Republikanern gibt.“ Auch 20-jährige Studenten dürften das als nichtssagende Rhetorik durchschauen.

Nach diversen Fragen zum maroden Schulsystem, zu Immigration und Problemen von Homosexuellen in der US-Armee, blendete MTV Facebook- und Twitter- Botschaften junger Leute über ihre größten Sorgen und Hoffnungen ein. „Meine größte Furcht ist, dass wir zu einem kommunistischen Land werden“, hieß es in einer Botschaft.

„Meine größte Furcht ist es, dass Obama wiedergewählt wird“, meinte ein Facebook-Beitrag. Der Präsident reagierte gelassen, erneut konterte er mit geschickter Rhetorik. „Internet und Twitter sind sehr mächtige Instrumente, aber statt in einen Dialog zu treten, reden wir nur schlecht übereinander.“ Ein 20-jähriger Student von der Villanova University vor den Toren Philadelphias brachte das Desinteresse unlängst auf den Punkt. „2008 trugen noch viele junge Typen Aufkleber und Anstecknadeln.“ Heute sei das ganz anders. „Die jungen Leute leben in ihrer eigenen Welt und sind weniger engagiert als 2008“, meinte ein Kommilitone. „Damals unterstützten viel mehr Studenten Obama.“

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