Vor neuen Protesten
Ägyptens Militär stellt Muslimbrüdern Ultimatum

Seit Wochen bekämpfen sich Anhänger und Gegner des gestürzten Präsidenten Mursi. Auch am Freitag werden Millionen auf die Straße gehen. Zumal im Internet ein Ultimatum auftauchte, das neue Brisanz in den Konflikt bringt.
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Kairo/New YorkDie verfeindeten politischen Lager in Ägypten wollen mehr als drei Wochen nach der Entmachtung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi heute erneut ihre Anhänger mobilisieren. Armeechef General Abdel Fattah al-Sisi rief die Bevölkerung auf, in „Millionenzahl“ auf die Straße zu gehen, um ihm ein „Mandat zur Bekämpfung des Terrors“ zu geben. Auch die islamistische Muslimbruderschaft will ihre Anhänger gegen das Militär, das am 3. Juli den aus ihren Reihen stammenden Mursi abgesetzt hatte, auf die Straße bringen.
Außerdem stellte Armeechef Abdel Fattah al-Sisi einem Bericht zufolge den Muslimbrüdern ein Ultimatum für ihre Beteiligung an einem Aussöhnungsprozess gestellt. Al-Sisi habe den Muslimbrüdern 48 Stunden Zeit gegeben, „um in die Reihen der Nation zurückzukehren“, hieß es nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Mena auf einer der Armee nahestehenden Facebook-Seite. Nach den für Freitag angekündigten Protesten der Gegner und Anhänger des gestürzten islamistischen Staatschefs Mohammed Mursi werde die Armee ihre „Strategie gegenüber Gewalt und Terrorismus ändern“, hieß es weiter.

Die Armee kündigte an, man werde zwar die Waffen nicht auf das Volk richten, wohl aber gegen „schwarze Gewalt und Terrorismus“. Bislang haben die Muslimbrüder jeden Dialog mit der neuen Staatsführung abgelehnt, da sie aus einem „Militärputsch“ hervorgegangen und daher illegitim sei. Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief alle Beteiligten zu Zurückhaltung und Besonnenheit auf.

Ein Militärvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Erklärung gebe keinen „offiziellen Standpunkt“ wider. Sie sei allerdings auf einer Facebook-Seite mit „Verbindungen zur Armee“ veröffentlicht worden. Die 48-Stunden-Frist sei "tatsächlich eine politische Einladung", sich nach Mursis Absetzung durch die Armee Anfang Juli an einem Aussöhnungsprozess zu beteiligen, sagte der Armeevertreter.

Das bedeute aber nicht, dass die Mursi-Anhänger nach Ablauf der Frist unterdrückt würden. „Warum machen sich diese Leute Sorgen, wenn sie friedlich sind? Wir reden nur von Terroristen“, fügte der Militärvertreter hinzu.

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Uno-Generalsekretär fordert Mursis Freilassung

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  • "Ägyptens Militär stellt Muslimbrüdern Ultimatum"

    Aus dem ganzen Dilemma des "Arabischen Frühlings" greift eigentlich nur EIN Punkt: Der Ami hat sich diesmal ganz gewaltig verrechnet. Die Völker sind das ewige "Stipfeln", "Aufstacheln", die Waffenlieferungen an die "guten" Rebellen (waren schon in Afghanistan ein Rohrkrepierer) und so weiter.
    Nachdem sich jetzt im Kongreß auch bei den Reps Widerstand gegen die Rundumüberwachung regt, ist davon auszugehen, daß einige der Senatoren die Brisanz der Errichtung einer gewünschten "Neuen Weltordnung" (= Diktatur!) erkannt haben und sich zu wehren beginnen. Das läßt Hoffnung aufkommen, wenn auch vorher das ganze Betrugssystem der Finanzgauner zum totalen Zusammenbruch mit allen möglichen Verwerfungen führt. (Leider wahr, auch wenn keine bestimmten Systeme gelobt werden sollen, greift doch der Titel/Text einer Hymne: "Auferstanden aus Ruinen...")
    Hoffentlich wird's nicht allzu schlimm.

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