Vor Verhandlungen
Angst vor Irans Atombombe

Iran arbeitet an einem militärischen Nuklearprogramm – davon sind nach Angaben von EU-Diplomaten mittlerweile alle fünf Uno-Vetomächte überzeugt, also auch Russland und China. In Genf unternimmt die internationale Gemeinschaft den möglicherweise letzten Versuch, Teheran von einem Waffenprogramm abzubringen.

ink/gof/and/bac/jdh BERLIN/LONDON. Diplomaten verschiedener Länder appellierten an Teheran, ernsthaft über die Aufgabe der Urananreicherung zu verhandeln. Lenkt Iran nicht ein, soll der Uno-Sicherheitsrat Ende des Jahres drastische Sanktionen beschließen.

Mittlerweile seien auch Russland und China von einem Atomwaffenprogramm Irans überzeugt, betonen westliche Diplomaten. Differenzen gebe es alleine über die Frage, wann Iran in der Lage sei, Atomwaffen zu produzieren. Deshalb sind Amerikaner und Europäer zuversichtlich, dass der Uno-Sicherheitsrat tatsächlich harte Sanktionen beschließen kann.

Auch russische Generäle hatten sich zuletzt besorgt über iranische Tests von Mittelstreckenraketen geäußert. Britische Geheimdienste meldeten am Mittwoch, die iranische Regierung arbeite seit Ende 2004 aktiv an einem geheimen Atomprogramm und der Entwicklung atomarer Sprengköpfe. Sie widersprachen damit früheren Aussagen der US-Geheimdienste.

Ein Grund für die wachsende Besorgnis ist auch die Tatsache, dass westliche Geheimdienste Pläne aufdecken konnten, dass Iran an einer zweiten Urananreicherungsanlage in Ghom arbeitet. Teheran hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) vom Bau dieser Anlage erst vergangene Woche informiert. Die IAEA kritisierte, Iran habe damit seine Anmeldepflichten verletzt. Nach Erkenntnissen der Geheimdienste lässt der Zuschnitt der Anlage in Ghom nur eine militärische Nutzung zu. Hinzu komme, so heißt es in Sicherheitskreisen, dass die Anlage unterirdisch gebaut worden sei und „nicht erst seit gestern“ bestehe.

Obwohl ausdrückliches Ziel der Gespräche die umstrittene Anreicherung von Uran sein soll, schloss Teherans Atomchef Ali Akbar Salehi jede Diskussion über das Nuklearprogramm des Landes aus: "Wir werden niemals über unsere souveränen Rechte verhandeln."

Der Uno-Sicherheitsrat hat bereits drei Sanktionsresolutionen gegen Iran beschlossen, um das Land von der umstrittenen Urananreicherung abzubringen. Hintergrund ist die Vermutung, dass Iran heimlich Atomwaffen entwickelt und deshalb Uran auf ein waffentaugliches Maß anreichern will. Bei den ersten Gesprächen seit einem Jahr wollen Vertreter der Regierungen der USA, Russlands, Chinas, Frankreich, Großbritannien und Deutschlands unter Leitung des EU-Außenbeauftragten Javier Solana mit Iran darüber reden, wie sie bei einer rein zivilen Nutzung der Atomtechnik helfen können.

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