Vor zehn Jahren wurde Saddam gehängt „Er war ein gebrochener Mann“

Der frühere irakische Präsident Saddam Hussein galt als einer der ruchlosesten Machthaber des 20. Jahrhunderts. Seine Gegner bejubelten seinen Tod – doch die Lage des Landes hat sich nach seinem Abgang nicht gebessert.
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2006 verteidigte sich der Ex-Diktator des Irak noch gestenreich vor Gericht. Die Verhandlung endete mit seinem Todesurteil Quelle: AFP
Wütend vor Gericht

2006 verteidigte sich der Ex-Diktator des Irak noch gestenreich vor Gericht. Die Verhandlung endete mit seinem Todesurteil

(Foto: AFP)

BagdadDie verwackelten Bilder zeigen einen Mann, der seltsam unbeteiligt wirkt, obwohl er weiß, dass er gleich sterben wird. Er trägt einen langen schwarzen Mantel über dem weißen Hemd, der Bart ist grau. Seine vermummten Henker führen ihn eine Treppe hoch, er ist gefesselt. Das Gesicht des Mannes zeigt kaum eine Regung, als ihm die Männer den Strick um den Hals legen und die Schlinge festziehen.

Auf dem Handyvideo ist noch das islamische Glaubensbekenntnis zu hören, dann fällt der Körper des Mannes nach unten. Am 30. Dezember 2006, einem Samstag, stirbt Saddam Hussein im Morgengrauen durch den Strang. „Er war ein gebrochener Mann“, sagt Muwaffak al-Rubaie, nationaler Sicherheitsberater des Iraks, danach. „Er hatte Angst.“

Iraks Staatsfernsehen strahlt Stunden nach dem Tod des langjährigen Machthabers Bilder von jubelnden Menschen aus. Auch der Regierungschef Nuri al-Maliki ist zufrieden: „Die Gerechtigkeit hat im Namen des Volkes die Todesstrafe gegen den Verbrecher Saddam vollstreckt“, erklärt er. US-Präsident George W. Bush spricht von einem Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak.

Mehr als acht Jahre zuvor hatten Bushs Truppen und die „Koalition der Willigen“ Saddam in Bagdad gestürzt, weil sie ihn für einen Schutzherren des internationalen Terrorismus hielten. US-Soldaten entdeckten Saddam im Dezember 2003 nahe seiner Heimatstadt Tikrit in einem Erdloch, in dem er sich vor seinen Häschern versteckt hatte. Aus dem einst mächtigen Diktator war ein verwahrloster alter Mann geworden. Ein Gericht verteilte ihn im November 2011 wegen eines Massakers in dem schiitischen Ort Dudschail im Juli 1982 zum Tode.

Saddams Gegner und Opfer empfanden nach dem Tod des gleichermaßen gefürchteten und bewunderten Staats- und Parteichefs vor zehn Jahren Genugtuung. 24 Jahre lang hatte der Diktator das Land ruchlos regiert. Er ging mit harter Hand gegen seine Gegner vor, schlug Aufstände brutal nieder, setzte gegen sein eigenes Volk Giftgas ein und überfiel das Nachbarland Kuwait. Mit Saddams Tod verband sich auch die Aussicht, dass der so lange geplagte Irak den Weg in eine bessere Zukunft finden könnte - eine Hoffnung, die trügen sollte.

Zehn Jahre nach Saddams Tod steht das Land so desaströs da wie selten zuvor in seiner Geschichte. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert noch immer größere Gebiete. Wo die Armee und ihre Verbündeten den IS verjagt haben, bleiben nicht nur zerbombte Orte zurück, sondern auch zerstörte Gesellschaften. Zehntausende sind seit 2003 gestorben, drei Millionen Menschen vertrieben.

Die Gesichter des Widerstandes
Loay Mahdi
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Jung und alt, Kinder und Soldaten, ein Potpourri an ungewöhnlichen Uniformen und improvisierter Ausrüstung: Der Kampf um Mossul schweißt Iraker aus allen Schichten und Generationen zusammen. AP-Fotograf Marko Drobnjakovic hat sie an der Front besucht. Das sind die Gesichter des Widerstandes.

Unbekannter Kämpfer der Peschmerga
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Manchmal tragen die Widerstandskämpfer professionelle Ausrüstung, aber meistens wirkt sie eher zusammengewürfelt.

Raad Muqdam al-Mosieh
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Was aber allen Kämpfern gemeinsam ist: Sie wirken nicht so, als würden sie mit einem raschen Ende der Kämpfe rechnen.

Bergam Kadhim
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Eine richtige Uniform, Panzerung oder schwere Waffen, wie diese Spezialeinheit der irakischen Armee sie trägt, besitzen nur die wenigsten.

Haidar Hussein
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Dieser Iraker trägt nur ein T-Shirt und einen schwarz-weißen Schaal, während er stolz sein sowjetisches Maschinengewehr präsentiert.

Abdelhakim Hamid
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Die irakische Polizei hat sich ebenfalls in das Getümmel gestürzt. Dieser Rekrut, gerade einmal 19 Jahre alt, trägt einen grünen Mediziner-Mundschutz, während er für nationalen Sicherheitskräfte Wache hält.

Hiwa Omar
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An einem Checkpoint in Gwer, 30 Kilometer südöstlich von Mossul, präsentiert ein Kämpfer der kurdischen Peschmerga seine mit den Farben der kurdischen Flagge dekorierte Waffe.

Zwar gibt es im Irak heute Wahlen, doch trotzdem regiert die Mehrheit der Schiiten das Land gegen die Minderheit der Sunniten, von denen sich viele diskriminiert fühlen. In großen Teilen des Iraks sind längst schiitische Milizen die eigentlichen Herrscher, nicht die offiziellen Sicherheitskräfte der Regierung in Bagdad.

Nicht wenige im Irak sehnen sich deshalb nach den Zeiten unter Saddam zurück, wo das Leiden zwar groß war, doch viele Menschen zumindest das Gefühl hatten, in Sicherheit zu leben. „Natürlich war Saddam ein Diktator“, sagt etwa der 71 Jahre alte Hassan, der in Bagdad in einem Kaffee eine Wasserpfeife raucht. „Aber es gab Sicherheit. Heute haben wir kein Geld, keine Arbeit, sondern nur Zerstörung.“

Vor allem unter den Sunniten, die das Land unter Saddam regierten, findet der einstige Diktator noch viele Anhänger. Mitglieder von Saddams Baath-Partei und Ex-Angehörige der Armee haben sich mit dem IS zusammengetan. Erst dieses Bündnis machte die militärischen Erfolge der Terrormiliz im Irak möglich. Der Mythos Saddam, den seine Anhänger heute als Märtyrer verehren, hat den Strang überlebt.

  • dpa
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