Vorbereitung auf G-7-Treffen
EU-Minister diskutieren Euro-Kurs

Im Vorfeld des G-7-Treffens in den USA haben die Finanzminister der Euro-Zone am Montagabend über ihre Haltung zur jüngsten Kursrally des Euro beraten. Eine gemeinsame Linie ist gefragt.

HB BRÜSSEL. Ob die Minister in Brüssel knapp drei Wochen vor der G-7-Tagung eine ausdrückliche Erklärung beschließen oder nur intern ihren Standpunkt abstimmen, blieb vor den Beratungen offen. Österreichs Finanzminister Karl-Heinz Grasser sagte bei seiner Ankunft, dies sei noch nicht abzusehen. Die Debatte über den starken Außenwert des Euro sei aber überdramatisiert. Auch sein belgischer Kollege Didier Reynders äußerte sich gelassen.

Kritik äußerte Grasser erneut an der Entscheidung von Währungskommissar Pedro Solbes, den Finanzministerrat wegen des Aussetzens der Defizitverfahren gegen Frankreich und Deutschland zu verklagen. Auch wenn er inhaltlich an der Seite der Kommission stehe, sei die Klage politisch falsch gewesen. Grasser warnte erneut vor einer überzogenen Debatte über den Euro-Kurs. Nicht die Kurshöhe sei das Problem, sondern die Schwankungen. Der Eurokurs sei derzeit nicht weit vom Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre entfernt, sagte er. Dieser liege bei 1,20 Dollar. „Wir können deshalb mit dem jetzigen Wechselkurs leben“, sagte Grasser. „Was wir im Blick behalten müssen ist das Tempo der Anpassung.“ Dies solle in der Euro-Gruppe diskutiert werden.

Die Gemeinschaftswährung hatte im vergangenen Jahr gegenüber dem Dollar rund 20 Prozent an Wert gewonnen. Vor einer Woche markierte der Euro knapp unter 1,29 Dollar ein Rekordhoch. Besorgte Äußerungen von Spitzenvertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) zu den jüngsten Wechselkursbewegungen waren an den Märkten als „verbale Interventionen“ aufgefasst worden und hatten den Euro wieder um mehr als fünf US-Cent gedrückt. Am Montagmittag notierte er mit Kursen um 1,2355 Dollar. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) lehnte vor den Beratungen eine Stellungnahme zum Wechselkurs ab, äußerte sich aber optimistisch über die Konjunkturdebatte mit einen Kollegen. „Weil es wirtschaftlich aufwärts geht, ist die Stimmung gut“, sagte er.

Offen blieb, ob sich die Europäer für das Finanzminister-Treffen der sieben führenden Industrienationen (G-7) am 6. und 7. Februar in Florida auf eine gemeinsame Position verständigen. Analysten rechnen für das G-7-Treffen wegen der Interessenkonflikte der drei großen Währungsblöcke nicht mit einer Einigung in der Wechselkursfrage. Der US-Regierung kommt wegen der Präsidentenwahl im November der Kursrückgang des Dollar gelegen, da er die heimische Exportwirtschaft wettbewerbsfähiger macht und den Aufschwung unterstützt. Japan und andere asiatische Länder wälzen bisher die Hauptlast der Dollar-Abwertung auf den Euro-Raum ab, indem sie einen Anstieg ihrer Währungen zum Dollar durch Interventionen oder Wechselkursbindungen verhindern.

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