Vorbereitung für die Zeit nach dem Öl
Saudi-Arabien plant Billionen-Investment-Fonds

Saudi-Arabien geht auf globale Einkaufstour. Mit Billionen-Investitionen will sich der Golfstaat auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten. Ein schwieriges Unterfangen mit Ölpreisen nahe an den Rekordtiefs.

San FranciscoDer Ölpreis-Schock sitzt tief. Aber diesmal nicht bei den Autofahrern in Europa oder Amerika, sondern in den ölproduzierenden Staaten der Golfregion. Nach einem Absturz der Rohölpreise von über 100 Dollar pro Fass auf bis zu 30 Dollar steigt die Hektik, mit der die Abhängigkeit vom „schwarzen Gold“ gemindert werden soll. Saudi-Arabien will nicht weniger als zwei Billionen Dollar (das sind 2000 Milliarden Dollar) in einen staatlichen Anlagefonds stecken, der sich überall auf der Welt einkaufen soll. Das erklärte der stellvertretende Kronprinz Mohammed bin Salman in einem Interview mit Bloomberg. Das wäre genug Geld um die Aktien von Apple, Alphabet (Google), Microsoft und Berkshire Hathaway zusammen zu kaufen und dann wäre immer noch Spielgeld übrig.

Sozusagen als Anschubfinanzierung plant das saudische Königshaus bis zu fünf Prozent des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco an die Börse zu bringen, der dann in den Fonds überführt und in eine gigantische Industrieholdung umgewandelt werden soll. Laut Bin Salman hält der PIF (Public Investment Fund) bereits Anteile an der Saudi Basic Industries Corp, dem zweitgrößten Chemieunternehmen der Welt, oder der National Commercial Bank, dem größten Geldhaus Saudi-Arabiens. Der Fonds schaue sich derzeit „zwei Möglichkeiten“ in der Finanzindustrie an, so der 30-jährige stellvertretende Kronprinz, Namen wollte er aber nicht nennen. „Innerhalb von 20 Jahren“, prognostiziert er, „werden wir nicht mehr hauptsächlich vom Öl abhängen.“ Bereits 2020 soll der Anteil ausländischer Investments im Staatsfonds 50 Prozent betragen, jetzt sind es fünf Prozent. Investitionen in Korea und Russland stehen ebenfalls auf der Agenda.

Saudi-Arabien ist nicht der erste staatliche Superinvestor, derzeit ist zum Beispiel China einer der größten Aufkäufer von Unternehmen, Immobilien und Rohstoffen weltweit. Aber der Golfstaat ist mit Sicherheit der mit dem meisten Geld in der Kriegskasse.
Allerdings macht die saudische Führung ihren Bürgern auch klar, dass die Zeiten härter geworden sind, seit dem Kollaps der Ölpreise. Deshalb müsse man die Wirtschaft neu strukturieren und Verschwendung abschaffen. Ende 2015 wurden im Land die Preise für Benzin und Strom angehoben, was allerdings noch eher symbolischen Charakter hat. Trotzdem: Sogar die Monarchie selbst will mit gutem Beispiel vorangehen. Die ausufernden Regierungsausgaben, die bis zu 40 Prozent des Staatsbudgets ausgemacht hatten, seien bereits 2015 auf rund zwölf Prozent gesenkt worden.

Wissenschaftler wie Paul Sullivan von der Georgetown-Universität in Washington, sind aber skeptisch, was die Pläne angeht. „Man kann Wirtschaftsreformen nicht wie ein Vier-Gänge-Menü ordern“, sagte er gegenüber Bloomberg. „Auf jeden Fall muss mehr getan werden als nur die Investitionen im Ausland zu erhöhen.“ Wie groß der Wille zu echten gesellschaftlichen Reformen in dem konservativen Land tatsächlich ist, ist jedoch völlig unklar.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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