Vorbereitungen für Luftschlag
Israel baut Drohkulisse gegen Iran auf

Die israelische Luftwaffe trainiert Langstreckenflüge – und könnte laut einer MIT-Studie Teherans Atomanlagen zerstören. Auch über Überflugrechte hat man sich bereits mit anderen Golfstaaten verständigt. Der ehemalige Luftwaffenchef sagte, die Vorbereitung auf den Ernstfall sei „selbstverständlich“.

TEL AVIV. Die EU und Teheran vereinbaren unverdrossen neue Verhandlungsrunden im Atomstreit – doch die USA und vor allem Israel rasseln mit den Säbeln. Angesichts einer möglichen Bedrohung durch Iran trainiere die israelische Luftwaffe Langstreckenflüge, berichtet die Tageszeitung „Maariv“. Gleichzeitig wurde eine Studie des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) lanciert, wonach die Luftwaffe inzwischen in der Lage wäre, Irans Atomanlagen weitgehend auszuschalten. Und dann soll Israel auch noch bei drei Golfstaaten Überflugsrechte ausgehandelt haben.

Nach Angaben von „Maariv“ stünden die USA und Israel wegen Irans Atomprogramm in „engem Kontakt“. Zu den aktuellen Übungen der Luftwaffe gehöre das Betanken in der Luft und die Bombardierung von Bodenzielen. Wie immer musste die Publikation des Berichts von Israels Militärzensur bewilligt werden – und entspricht den Absichten der Regierung.

Der ehemalige Luftwaffenchef Eitan Ben-Eliyahu sagte am Wochenende, dass die Vorbereitung auf den militärischen Ernstfall für die Luftwaffe „selbstverständlich“ sei. Sie müsse für alle Optionen gewappnet sein, nachdem Irans Atomprogramm von der israelischen Regierung als echte Bedrohung aufgefasst werde. Dann wurde er konkret: Israel sei „Koalitionen“ mit Staaten eingegangen, um gegebenenfalls deren Luftraum zu benutzen. Im Februar hatte die kuwaitische Zeitung Al-Siyasa berichtet, dass drei Golfstaaten keine Einwände gegen das Überfliegen ihres Luftraumes haben würden. Al-Siyasa nannte Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Dass die israelische Luftwaffe technisch in der Lage ist, iranische Atomanlagen zu zerstören oder zumindest zurückzuwerfen, argumentiert eine Studie, die die MIT-Fachzeitschrift „International Security“ unter dem Titel „Osirak Redux?“ veröffentlichte. Die Urankonversionsanlage in Isfahan und die Urananreicherungsanlage in Natans stehen laut Studie im Zentrum der Angriffspläne. Israel habe sein Arsenal an „intelligenten“ Waffen gezielt aufgestockt. So hat die Luftwaffe in den USA bunkerbrechende Bomben bestellt, die sechs Meter im Beton und 30 Meter in die Erde eindringen können. Dass die Anlagen in Natans bis zu 23 Meter unter der Erde liegen, aber mit mehreren Betonschichten geschützt sind, ist für Ben-Eliyahu kein Hindernis: „Wenn eine Bombe nicht genügen würde, könnten wir weitere Bomben direkt auf das Loch zielen, das die erste Bombe gerissen hat, und am Ende das Ziel zerstören“, zitierte bereits von zwei Jahren das Fachblatt „Jane’s Defence Weekly“ den ehemaligen Luftwaffenchef.

Dass Israels Luftwaffe weit entfernte Ziele angreifen kann, hat sie längst bewiesen. 1981 zerstörten F-16 und F-15-Jets der israelischen Luftwaffe einen irakischen Atomreaktor. Vier Jahre später griffen Maschinen der Luftwaffe das Hauptquartier der PLO in Tunis an. Bei diesem Angriff mussten die Flugzeuge betankt werden, um die Strecke von über 4 000 Kilometer zurücklegen zu können. Inzwischen verfügt die Luftwaffe über verbesserte Versionen des F-15 und F-16 mit einem Aktionsradius von bis zu 1 700 Kilometern.

Offen bleibt die Frage, wie die diplomatischen und militärischen Reaktionen Irans ausfallen würden. Trotz der militärischen Machbarkeit könnte sich Jerusalem deshalb veranlasst sehen, auf den Militärschlag zu verzichten: Iran verfügt nicht nur an Israels Grenze über einen Stellvertreter, die Hisbollah. Neuerdings kann sich Iran auf einen weiteren Verbündeten im Süden Israels abstützen: Das Hamas-Regime im Gazastreifen. Irans Führung habe bei der Einnahme des Gazastreifens durch die Hamas eine „große Rolle“ gespielt, sagte gestern der palästinensische Geheimdienstchef Taufil Tirawi.

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