International
Vorbild Asien – auch in der Forschung

„Teilweise müssen wir froh sein, dass die Chinesen noch mit uns arbeiten.“ Diese Aussage bezieht sich nicht etwa auf die Textilindustrie oder andere Branchen, in denen asiatische Billigproduzenten die deutsche Konkurrenz längst abgehängt haben, sondern auf die Forschung. Den Wettbewerb aus dem Reich der Mitte fürchtet die Asien-Expertin der Max-Planck–Gesellschaft (MPG), Barbara Spielmann.

BERLIN. Länder wie China oder Indien, die vor wenigen Jahren noch als Entwicklungsländer, aber nicht als Konkurrenz für westliche Industrienationen in der Forschung galten, bereiten Wissenschaftlern wie denen der MPG zunehmend Kopfzerbrechen. Um über den Wissensstand der Konkurrenz informiert zu sein, touren derzeit das zweite Mal MPG-Wissenschaftler durch Indien. Das Ziel ihrer Forschungsreise: „Wir wollen das Potenzial der Inder in der Biomedizin herausfinden“, sagt Felix Kahle, Indien-Spezialist der MPG.

Bereits nach der ersten Reise der deutschen Grundlagenforscher – 2004 waren sie nach Indien gereist, um auszuloten, wie weit die Kollegen in Physik, Chemie und Biowissenschaften sind – gründete die MPG zehn Partnergruppen an indischen Instituten. Sie sollen seither den Kontakt zu indischen Forschern sichern, die vorher in deutschen MPG-Instituten gearbeitet haben. Die deutsche Forschung läuft ihren asiatischen Schülern in die Heimat hinterher.

China und Indien investieren massiv in die Wissenschaft. Massenhaft bilden sie nicht nur Ingenieure aus, auch Naturwissenschaftler aller Art. Als Folge kehren zunehmend indische und chinesische Forscher aus den USA und Europa in ihre Heimat zurück. In den dortigen Eliteinstituten herrschen vielfach attraktive, konkurrenzfähige Arbeitsbedingungen.

„Deutschland muss aufpassen, dass es seinen internationalen Spitzenplatz bei Forschung und Entwicklung nicht an China und Indien verliert – die asiatischen Wirtschaftsriesen sind zunehmend auch in Forschung und Entwicklung auf dem Vormarsch – den bisherige Domänen westlicher Industrienationen“, warnt der Präsident des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun.

Ein Extrembeispiel ist die in Europa stark reglementierte grüne Gentechnik. „Noch vor zehn Jahren hinkte China hier um Jahrzehnte hinterher, dann hat es in atemberaubendem Tempo aufgeholt“, berichtet ein deutsche Spitzenforscher der Zunft, Leibnizpreisträger Christian Jung vom Institut für Pflanzenzüchtung der Uni Kiel. „Heute sind die Chinesen weltweit führend“. Ähnlich stark sei Indien. „Sie brauchen uns nicht mehr.“ Bei vielen Besuchen hat Jung die enorme Dynamik vor Ort erlebt: Vor allem China habe nicht nur sehr viele Wissenschaftler, sondern heute auch „sehr viel Geld, um die nötige Ausrüstung zu kaufen.“ Auch die Motivation der Asiaten beeindruckt Jung. In Asien seien die Hörsäle auch abends um halb zehn noch voll. „Forscher gehen nach dem Abendessen wieder ins Labor.“

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