Vorgehen bei Nordkorea-Syrien-Bericht
Atomenergiebehörde ermahnt die USA

Die Internationale Atomenergiebehörde ist in Aufruhr: IAEA-Chef Mohammed el Baradei hat ungewöhnlich deutliche Kritik an der Informationspolitik der USA im Zusammenhang mit dem vermuteten Bau eines syrischen Atomreaktors geübt. Schließlich erinnert das Vorgehen der Bush-Regierung an die Vorbereitung für den Irak-Krieg.

HB WIEN. „Der Generaldirektor verurteilt die Tatsache, dass diese Information der Agentur (IAEA) nicht rechtzeitig übermittelt wurde“, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung der IAEA in Wien. Dadurch sei die Arbeit der Behörde behindert worden.

Trotzdem: Die IAEA will die von den USA erhobenen Atom-Vorwürfe gegen Syrien und Nordkorea prüfen. Die Berichte der US-Geheimdienste über den heimlichen Bau eines Atomreaktors in Syrien seien ernst zu nehmen und würden untersucht.

Die US-Regierung hatte zuvor Kongressabgeordneten Geheimdienstinformationen über eine angebliche Zusammenarbeit Syriens und Nordkoreas vorgelegt. Demnach soll Nordkorea Syrien beim Bau einer mutmaßlichen Atomanlage geholfen haben, ehe diese vor acht Monaten von Israel durch Luftangriffe zerstört wurde.

„Wir sind aufgrund verschiedener Informationen davon überzeugt, dass Nordkorea Syriens geheime Nuklearaktivitäten unterstützte“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. Es handele sich zum eine Angelegenheit von „großer internationaler Beunruhigung“.

Perino betonte, Washington werde im Rahmen der Sechs-Länder-Gespräche (zwischen den USA, Russland, China, Japan sowie Nord- und Südkorea) alles tun, um das Ende des nordkoreanischen Atomprogramms zu überwachen. Die USA und ihre Partner warten nach wie vor darauf, dass Pjöngjang vereinbarungsgemäß alle seine Nuklearprojekte offenlegt, darunter auch die Atomhilfe für andere Länder.

Parallelen zum Irak-Fall

Die Vorwürfe der Bush-Regierung dürften intensiv geprüft werden. Denn auf ähnliche Art und Weise hatte die US-Regierung vor fünf Jahren auf den Irak-Krieg eingestimmt. Im Mittelpunkt zahlreicher Briefings standen damals die angeblichen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins. Die Vorwürfe erwiesen sich später als falsch.

Die nordkoreanische Regierung schweigt zu den Vorwürfen. Seit langem versucht die US-Regierung, Nordkorea zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms zu bewegen. Doch fast alle Forderungen verhallten ungehört.

Nach Angaben der „Washington Post“ handelt es sich bei den Beweisen um ein im Sommer 2007 entstandenes Video, das die Atomeinrichtung von innen zeigt. Auf den Bildern seien Nordkoreaner zu sehen gewesen. Dem Bericht zufolge zeigt das Video auch, dass die Anlage weitgehend dem Atomreaktor im nordkoreanischen Yongbyon gleiche, in dem Plutonium für das nordkoreanische Nuklearprogramm produziert wurde.

Weiter hieß es in der Zeitung, die Aufzeichnungen hätten bei der israelischen Entscheidung zur Bombardierung der Einrichtung eine entscheidende Rolle gespielt. Israelische Flugzeuge hatten am 6. September vergangenen Jahres das Gelände bombardiert, allerdings nie offiziell bestätigt, dass eine Nuklearanlage im Militärkomplex Al-Kibar das Ziel war.

Dagegen bestritt der syrische Botschafter in Washington, Imad Moustapha, energisch, dass es sich bei der zerstörten Anlage um einen Nuklearreaktor gehandelt habe. Es sei vielmehr ein „leeres Militärgebäude“ gewesen, sagte er in einem Interview des US-Fernsehsenders CNN.

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