Vormarsch
Mexiko vor der Richtungswahl

Am 2. Juli wählen die Mexikaner einen neuen Staatschef. Und in den USA wächst die Sorge, dass auch in der stärksten Volkswirtschaften Lateinamerikas ein Linkskandidat das Ruder übernehmen könnte – mit unbekannten Folgen für Investoren und Unternehmen.

MEXIKO-STADT. Kuba, Venezuela, Bolivien – und bald auch Mexiko? Am 2. Juli wählen die Mexikaner einen neuen Staatschef. Und in den USA wächst die Sorge, dass auch in der stärksten Volkswirtschaften Lateinamerikas ein Linkskandidat das Ruder übernehmen könnte – mit unbekannten Folgen für Investoren und Unternehmen. Die Europäer warten vorerst ab.

Lange sah es so aus, als ob der Bewerber der kleinen Partei PRD und frühere Bürgermeister von Mexiko-Stadt, Andrés Manuel López Obrador, einen Start-Ziel-Sieg einfahren würde. Doch Ende April, am Tag der ersten Fernsehdebatte zwischen López Obrador und dem Kandidaten der regierenden konservativen Partei PAN, Felipe Calderón, veröffentlichte die Tageszeitung „Reforma“ eine Umfrage, die alles bis dahin Gültige auf den Kopf stellte. Hatte der Linkskandidat zuvor mit teilweise rund zehn Prozentpunkten geführt, lag jetzt erstmals Calderón knapp drei Punkte vorn. Verbale Angriffe auf Amtsinhaber Vicente Fox und das taktische Fernbleiben von dem TV-Duell hatten López Obrador offenbar geschadet.

Der Seufzer der Erleichterung im Washingtoner Außenamt über die Wendungen war bis Mexiko-Stadt zu vernehmen. Denn in den USA ist die Angst groß, dass ab Dezember im Nachbarland und einem der wichtigsten Handelspartner ein Politiker regieren könnte, der die Linksachse Bolivien-Venezuela-Kuba bis Mexiko verlängerte.

Doch die Furcht der USA vor Amlo, wie López Obrador kurz genannt wird, teilen in Mexiko weder politische Beobachter noch Wirtschaftsvertreter. Es herrsche allgemeine Gelassenheit, sagt Johannes Hauser, Repräsentant der deutschen Wirtschaft in Mexiko. Anders als Bolivien sei Mexiko über seine Handels- und Kooperationsabkommen mit Nordamerika und der EU fest in der Weltwirtschaft verankert. „Zudem wird keiner der drei Kandidaten an der Grundausrichtung etwas ändern“, betont Hauser. „Amlo ist intelligent genug zu erkennen, dass der soziale Ausgleich, den Mexiko braucht, finanziert werden muss.“

Mexiko ist seit zwölf Jahren mit den USA und Kanada in der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta vereint. In dieser Zeit hat sich das Land zur zehntgrößten Volkswirtschaft und zur siebtgrößten Exportnation entwickelt und auf dem Halbkontinent Brasilien als größte Wirtschaftsmacht abgelöst.

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