Vormarsch von Islamisten
Irak verstärkt Schutz für Ölfelder

Nach dem Vormarsch islamistischer Kämpfer im Irak erhöht dessen Regierung die Sicherheitsvorkehrungen an Ölanlagen und meldet, Ausländer würden nicht von dort ausgeflogen. Für Siemens-Techniker gilt das offenbar nicht.
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BagdadNach dem jüngsten Vormarsch islamistischer Kämpfer im Irak hat das Land die Sicherheitsvorkehrungen rund um seine zahlreichen Ölanlagen massiv erhöht. Mehr als 100.000 Polizisten würden zum Schutz von Ölfeldern, Förderanlagen und Energieunternehmen eingesetzt und seien in höchster Alarmbereitschaft, sagte der Chef der zuständigen Polizeiabteilung, Mussa Abdul-Hassan, am Montag.

Mit zusätzlichen Personal seien die Kontrollpunkte nahezu verdoppelt worden. Die Sicherheitskräfte seien zudem mit schwereren Waffen ausgerüstet worden. Der rasante Vormarsch islamistischer Kämpfer im Norden des Landes hat auch die Ölmärkte alarmiert, weil eine Unterbrechung der Ölförderung aus dem Irak die Preise in die Höhe treiben könnte.

Eine zentrale Rolle für die irakischen Ölexporte spielt Basra. Polizeivertreter Abdul-Hassan betonte, das Ölgeschäft rund um die Hafenstadt laufe reibungslos. Gerüchte, ausländische Arbeiter würden in Sicherheit gebracht, seien falsch.

Die meisten von ausländischen Firmen betriebenen Ölanlagen liegen wie Basra im Süden des Landes. In diesem überwiegend von Schiiten bewohnten Teil des Irak war es in den vergangenen zwei Jahren weitgehend ruhig geblieben. Die jüngste Krise gründet auf dem seit Jahren schwelenden Machtkampf zwischen Schiiten und Sunniten.

Spiegel: 50 Siemens-Techniker gerettet

Dennoch gibt es mindestens eine Ausnahme: Nach Tagen der Unsicherheit ist eine Gruppe von 50 ausländischen Mitarbeitern der Firma Siemens aus dem von Kämpfern der Rebellengruppe Isis kontrollierten Gebiet im Irak gerettet worden.

Nach Informationen von "Spiegel Online" flogen Helikopter des irakischen Militärs und ein von Siemens gecharterter Jet die Ausländer von Sonntagmittag an aus der Gefahrenzone rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad. Unter den 50 Technikern, die an dem Kraftwerk Modernisierungsarbeiten durchführten, sind acht Deutsche und eine Handvoll EU-Bürger.

Das Auswärtige Amt (AA) bestätigte "Spiegel Online" am späten Montagabend, dass nunmehr alle Deutschen sicher in Bagdad und dem nordirakischen Erbil angekommen seien. Seit Ende der vergangenen Woche hatte der Krisenstab im AA intensiv an einer Lösung der heiklen Lage gearbeitet.

In Berlin herrschte wegen des Falls große Sorge. Die Lage der Siemens-Mitarbeiter sei zwar nicht brandgefährlich gewesen, da die Rebellen das Gelände, auf dem sich die Ausländer verstecken, nicht angriffen. Gleichwohl befürchtete man, dass die Isis-Rebellen die Siemens-Mitarbeiter als Geiseln nehmen könnten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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