Vorrangiger Status
Eurozone lockt Athens Gläubiger mit Anreizen

Auch private Gläubiger sollen sich an der Rettung Griechenlands "substanziell" beteiligen - allerdings freiwillig, betont Finanzminister Schäuble. Wer kooperiert, soll belohnt werden..
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LuxemburgDie Eurozone will private Anleger für einen freiwilligen Beitrag zum neuen Hilfspaket für Griechenland belohnen. Wer auslaufende griechische Staatsanleihen in neue Papiere mit längerer Laufzeit eintausche, könne eventuell einen vorrangigen Gläubigerstatus erhalten, erfuhr das Handelsblatt aus deutschen Regierungskreisen.

Dies sei eines von mehreren derzeit diskutierten Anreiz-Modellen. Es werde einen „quantifizierten“ Anteil privater Investoren am neuen Hilfspaket geben, hieß es in Regierungskreisen. Er könnte 30 Milliarden Euro betragen, doch die Summe stehe noch nicht endgültig fest, sagten EU-Diplomaten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) beharrte vor Beginn des Treffens der Euro-Finanzminister in Luxemburg auf einen Beitrag der privaten Gläubiger: „Das muss in einer Art und Weise geschehen, dass klargestellt ist, dass das Risiko nicht einseitig und allein von der Gemeinschaft der Steuerzahler getragen wird. Darum geht's.“ In einem weiteren Interview nahm Schäuble einen weiteren Anlauf, diesen Spagat zu erklären: „Es wird freiwillig sein müssen, aber es muss natürlich schon so verbindlich sein, dass es auch belastbar ist in den Zahlen.“ Ziel der Ausgestaltung der Griechenland-Hilfen müsse auch sein, zu verhindern, dass sich die privaten Gläubiger nicht aus ihrem Engagement zurückzögen. Durch die Maßnahmen dürften nicht die Finanzmärkte „völlig durcheinander gebracht werden“.

SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisiert die angestrebte freiwillige Beteiligung von Banken und Versicherungen an einer Lösung der Griechenland-Krise. Wie in jeder
Insolvenz müssten erst einmal die Gläubiger „eigene Beiträge bringen“, sagte Gabriel am Sonntag in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. Was jetzt angestrebt werde, sei nichts anderes als eine Verlängerung der Kredite mit niedrigeren Zinsen.
Immer neue Darlehen dienten nur dazu, alte Darlehen zu finanzieren, sagte der SPD-Vorsitzende. „Das Geld, das wir dabei nach Griechenland schieben, kommt dort gar nicht an.“ Mit der weiteren Finanzierung der Zinsen werde das Problem nicht gelöst. Notwendig sei ein echter Schuldenschnitt. „Je länger wir mit der Gläubigerbeteiligung warten, desto mehr werden die Steuerzahler bluten müssen.“

Griechenlands Finanzminister Venizelos sagte vor dem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel, dass Griechenland weiter an seinen Sparbemühungen festhalte. „Es ist für mich eine großartige Gelegenheit zu bekräftigen, dass die griechische Regierung und die Bürger das Sparprogramm unterstützen“, ergänzte er. Er werde die anderen Länder darum bitten, einige Veränderungen am Sparplan abzusegnen, um die „soziale Gerechtigkeit“ zu wahren. Details nannte er nicht. Das neue Sparprogramm sieht Kürzungen der Gehälter und indirekte Steuern in Milliardenhöhe vor. Rund 50 Milliarden Euro sollen durch Privatisierungen und den Verkauf von Staatsimmobilien aufgebracht werden.

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Berlin dementiert Bericht über Schäuble-Vorschlag

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  • Zum Problem-Euro auch hier mal hören:

    http://kaltaquise.blogspot.com/2011/06/die-finale-phase-hat-begonnen-wir.html

  • Frank Schaeffler, FDP
    - 19.06.2011 - ZDF Berlin direkt - Chat

    der Bericht der Troika-Kommission ist das Papier nicht wert auf dem er steht. So geht der Bericht von einer Arbeitslosenquote von 11 Prozent in 2011 aus. Tatsächlich hat Griechenland schon heute eine Arbeitslosenquote von 16 Prozent. Das Bankensystem ist nicht tragfähig, sondern hängt ausschließlich am Tropf der EZB. Sie hat den Bericht geschönt, um eigene Abschreibungen und ihren eigene Insolvenz zu verschleppen.

    spätestens im Jahr 2015 werden die griechischen Schulden in Europa sozialisiert sein und die privaten Gläubiger aus ihrer Verantwortung raus sein.

  • Die EU und der Euro sind ansich keine schlechte Sachen und
    vom Grundgedanken eine wirklich gutes Gebilde.

    Aber was ist hier so furchtbar aus dem Ruder gelaufen?

    Die Anzahl der Mitgliedsländer ist viel zu groß.
    Wieviele Mitglieder sind den wirklich EU-fähig?
    Nach Worten und Gelöbnissen alle und noch viele mehr. Aber
    in Wirklichkeit? Fünf-sechs allerhöchstens!

    Aber das alles bestimmende Problem ist der Mensch, also der
    POLITIKER.
    Man darf sich diese Spezies nicht als elitär, wissend,
    gebildet, selbstlos dem Volke verpflichtet oder gar kompetent vorstellen. Nein ganz und gar nicht!
    Das Gegenteil ist der Fall.

    Es sind Lügner, Betrüger, meineidige Selbstdarsteller,
    Volksschädlinge, Dilletanten, unfähig egal welcher Aufgabe
    Sie sich auch widmen, im besten Fall Murx zustande bringen.
    Nach ein paar Jahren in diesem Gewerbe, sind diese Menschen
    mit den oben genannten Fähigkeiten, nicht mehr resozialisierungsfähig.
    Diese Zwangsheilsbringer machen Schulden um Schulden, für
    eine Idee die mittlerweile abstirb und vom Volk immer
    weniger getragen werden kann. Niemals können diese Summen
    zurückgezahlt werden, schon garnicht von Gesellschaften
    die so gut wie keine echte Wertschöpfung anzubieten haben.
    Unser Bundestag ist verantwortlich für den Niedergang
    unseres Volkswesens, unserer Alterversorgung, unserer Erspanisse und die Zukunft unserer Kinder und Enkel.

    Wenn der Wagen mit Vollgas an die Wang gefahren wurde,
    können solche Menschen ungestraft davonkommen?

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