Vorschlag an die Mitgliedsstaaten
EU will Zucker-Garantiepreise drastisch senken

Nach 40 Jahren Abschottung muss sich Europas Zuckerindustrie auf harten Wettbewerb einstellen: Die garantierten, deutlich über dem Weltmarktniveau liegenden Preise für Rüben und Zucker sollen auf Vorschlag der EU-Kommission drastisch gesenkt werden.

HB BRÜSSEL. Entsprechende Vorschläge machte die Kommission am Mittwoch in Brüssel den 25 Mitgliedstaaten, die nun über die Reformpläne beraten und beschließen müssen.

Der deutsche Bauernverband und die deutsche Zuckerindustrie protestierten scharf und befürchten den Verlust von tausenden Arbeitsplätzen. Der zuckerverarbeitenden Industrie gehen die Pläne hingegen nicht weit genug. Sie fordert rasch niedrigere Preise im Sinne der Verbraucher. Deutschland ist nach Frankreich zweitgrößter Zuckerproduzent der EU

EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel verteidigte die Pläne. „Es gibt keine Alternative zu einer grundlegenden Reform“, sagte sie. „Am einfachsten wäre es, die Hände in den Schoß zu legen. Aber das würde den langsamen und schmerzlichen Tod des europäischen Zuckersektors bedeuten.“

Der EU-Zuckerpreis ist etwa drei Mal so hoch wie der Weltmarktpreis. Die Marktordnung läuft zum 1. Juli 2006 aus. Die Preissenkungen sollen in zwei Schritten binnen zwei Jahren kommen. Für weißen Zucker soll der Preis um 39 Prozent verringert werden: von derzeit 631,9 Euro auf 385,5 Euro je Tonne. Für Zuckerrüben soll der Preis um 42,6 Prozent herabgesetzt werden: von jetzt 43,6 Euro auf 25,05 Euro je Tonne.

Die Landwirte sollen zu 60 Prozent durch eine so genannte entkoppelte Prämie entschädigt werden. Das heißt, sie bekommen das Geld dann garantiert und unabhängig von der Menge der Produktion. Allerdings müssen sie umweltschonend anbauen. Die Kommission plant zudem einen Topf für die Branche, um unrentablen Produzenten den Ausstieg schmackhaft zu machen. Für den EU-Haushalt, in dem das Thema Zucker mit rund 1,7 Milliarden Euro zu Buche schlägt, bedeutet die Reform keine Mehr- oder Minderausgaben.

Die deutsche Süßwarenindustrie rechnet damit, dass eine solche Reform der Zuckermarktordnung Schokolade und Gummibärchen billiger werden lassen würde. "Der harte Wettbewerb zwingt uns, die sinkenden Zuckerpreise an die Verbraucher weiterzureichen", sagte Tobias Bachmüller, Chef des Lakritz- und Fruchtgummiherstellers Katjes Fassin und Vizepräsident des Bundesverbandes der Süßwarenindustrie, dem Tagesspiegel.

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