Vorwahlen in Michigan
Der untalentierte Mr. Romney

Bei den Vorwahlen in Michigan drohte Favorit Mitt Romney eine Schlappe. Der Multimillionär ist hier aufgewachsen und glaubte an einen sicheren Sieg. Doch sein aggressiver Rivale Rick Santorum verhagelte ihm die Show.   
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WashingtonIrgendetwas, so müssen sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Rick Santorum und seine Berater gedacht haben, irgendetwas ist doch bestimmt noch nicht oft vorgebracht worden gegen Barack Obama. Gut, der US-Präsident sei ein Versager, er ruiniere das Land, liefere es den Feinden aus, verrate dessen christliche Wurzeln, alles schon gesagt und tausendfach wiederholt. Doch Santorum wäre nicht Santorum, könnte er nicht auch noch absurder argumentieren.

Also stellte sich der erzkonservative Kandidat kürzlich vor seine Fans und sagte dies: „Obama ist ein Snob“. Der Wunsch des Präsidenten, möglichst jeder Amerikaner solle aufs College gehen, sei nichts als elitäres Geschwätz. Es gebe viele hart arbeitende Amerikaner, die nicht von einem „linken Universitätsprofessor indoktriniert werden wollen“.

Dass er für diese These selbst in der eigenen Partei viel Ärger bekam, spornt Santorum nur an. Er will Kandidat der Republikaner bei den Wahlen im November werden, und deshalb wollte er eine Vorwahl gewinnen, die ihn näher an sein Ziel bringt. Dafür hat es in Michigan nun nicht gereicht, aber der Exsenator Mitt Romney konnte sich nur mit Mühe gegen
Santorum durchsetzen. Romney, der in Michigan aufwuchs, wo sein Vater Gouverneur war, kam nach Auszählung von 87 Prozent der Wahlreise auf 41 Prozent, Santorum auf 38 Prozent.

Mit Anbiederungen an Detroits Auto-Arbeiter und mit seinen Tiraden gegen die Trennung von Staat und Kirche, gegen Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe hat es der fromme Katholik Santorum in Michigan weit gebracht.

Die beiden Siege verleihen Romneys Wahlkampf zwar neuen Schwung vor dem wichtigen „Super-Dienstag“, an dem in der kommenden Woche in zehn Staaten gewählt wird. Romney gilt allgemein als aussichtsreichster Kandidat der Republikaner, um bei der Wahl im November gegen Präsident Barack Obama anzutreten. Aber allzu überzeugend war er bislang nicht. Auch sein Sieg in Michigan fiel knapp aus. Der Vorsprung sei zwar nicht groß, aber alles, was zähle, sei der Sieg, erklärte Romney vor Anhängern in Michigan. Aber auch Santorum gab sich kämpferisch. Vor einem Monat „wussten sie noch nicht, wer wir sind, jetzt wissen sie es“, sagte er in Ohio, wo er schon Wahlkampf für nächsten Dienstag betrieb.

Und eine Niederlage wäre für Romney höchst peinlich gewesen. Er ist in Michigan aufgewachsen, sein Vater war in den 60er Jahren Gouverneur. Er hatte gedacht, er könne den Bundesstaat locker gewinnen. Ganz so war es dann am Ende nicht.

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