Vorwürfe gegen Hongkonger Polizei
Protestführer Joshua Wong ist wieder frei

Wegen Gewalt gegen einen Demonstranten hat die Polizei von Hongkong sieben ihrer Beamten festgenommen. Seit Ende September finden in der chinesischen Sonderverwaltungszone pro-demokratische Proteste statt.
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HongkongDer Hongkonger Protestführer Joshua Wong hat der Polizei vorgeworfen, ihn bei seiner Festnahme gezielt misshandelt zu haben. „Sechs oder siebenmal haben sie versucht, mich zu verletzen, auch im Intimbereich“, sagte der 18 Jahre alte Wong am Donnerstag nach seiner Freilassung.

Während die Polizei am Dienstag Straßenbarrikaden im Geschäftsviertel Mong Kok geräumt habe, sei er gepackt und auf den Boden gedrückt worden. Anschließend sei er von Polizisten geschlagen und getreten worden, sagte Wongs Anwalt Michael Vidler. Wong überlege, rechtliche Schritte gegen die Polizei zu ergreifen. „Ich bin sehr enttäuscht von der Hongkonger Polizei“, sagte Wong vor Journalisten.

Hunderte Polizisten hatten am Dienstag im Geschäftsviertel Mong Kok von Aktivsten aufgebaute Barrikaden von den Straßen geräumt. Ein unter anderem von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International verbreitetes Video zeigt, wie Wong zusammen mit anderen Aktivisten ruhig auf der Straße vor einer Gruppe von Polizisten steht. Dann stürmt ein Beamter in die Menge und packt Wong. Dutzende Polizisten stürzen hinterher und bringen Wong sowie andere Demonstranten außer Sichtweite der Kamera.

Im Zusammenhang mit Gewalttaten gegen einen gefesselten Demonstranten hat die Hongkonger Polizei bereits sieben ihrer eigenen Beamten festgenommen. Sie sollen einem prodemokratischen Teilnehmer während eines Zusammenstoßes der Protestler und der Polizei am 15. Oktober Handschellen angelegt, ihn in eine dunkle Ecke gezerrt und dann auf ihn eingeschlagen und eingetreten haben. Die Szenen wurden aufgenommen und hatten zu öffentlicher Wut über das Vorgehen der Polizei geführt.

Wie Polizeivertreter am Donnerstag außerdem berichteten, kam es bei weiteren Handgemengen im Zuge der Räumung des Protestlagers im Viertel Mong Kok zu elf weiteren Festnahmen

Auslöser für die seit mehr als zwei Monate andauernden Demonstrationen in Hongkong sind die Pläne der kommunistischen Führung in Peking, zwar 2017 erstmals direkte Wahlen in der früheren britischen Kronkolonie zuzulassen, aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Die Demonstranten fordern echte Demokratie.

Joshua Wong gilt dabei als der wichtigste Anführer der Protestbewegung. Der 18-Jährige ist schon seit mehr als drei Jahren politisch aktiv. Er wurde knapp neun Monate nach der Rückgabe der ehemaligen britischen Kronkolonie an China geboren und steht für die neue Generation, die Pekings kommunistische Führer herausfordert. Aus Protest gegen Pekings Pläne für eine „patriotische Erziehung“ in Hongkongs öffentlichen Schulen gründete Wong 2011 die Gruppe „Scholarism“ und mobilisierte Widerstand. Massendemonstrationen brachten damals die Patriotismuspläne zu Fall.

Die Proteste, die anfangs noch Zehntausende angezogen hatten, waren zuletzt allerdings immer kleiner geworden. Die Festnahme der Protestführer am Mittwoch könnte die Protestbewegung wieder stärken.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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