Vorwürfe gegen irakischen Ministerpräsidenten zurückgewiesen
Allawi soll sechs Häftlinge erschossen haben

Ein australischer Irak-Korrespondent hat dem dortigen Regierungschef Allawi vorgeworfen, sechs Aufständische erschossen zu haben. Ein Sprecher Allawis dementierte.

HB BERLIN. Der irakische Ministerpräsident Ijad Allawi soll kurz vor seinem Amtsantritt Ende Juni sechs Häftlinge erschossen haben. Das berichtet die australische Zeitung «Sydney Morning Herald» unter Berufung auf den Irak-Korrespondenten Paul McGeough. Allawi habe Aufständische mit Kopfschüssen persönlich getötet.

Der Vorfall soll sich in einer Polizeistation in Bagdad ereignet haben, wo die sechs als Attentäter Verdächtigten festgehalten wurden. Allawi habe den dortigen Polizisten zeigen wollen, wie mit Aufständischen umzugehen sei, berichtete McGoeough demnach. Der Ministerpräsident sei der Meinung gewesen, die Männer verdienten «Schlimmeres als den Tod». Die irakischen und US-amerikanischen Leibwächter Allawis hätten alles mitangesehen und «fassungslos geschwiegen».

Wie der «Sydney Morning Herald» berichtete, wies ein Sprecher Allawis die Vorwürfe entschieden zurück. Allawi habe die Polizeistation niemals betreten und trage auch keine Pistole, hieß es.

McGeough gilt als renommierter Journalist. Er wurde im vergangenen Jahr für seine Irak-Berichterstattung ausgezeichnet. Das Blatt schreibt, er habe schriftliche Aussagen von zwei Zeugen. Demnach waren die Aufständischen im Sicherheitszentrum Al Amariyah im Vorort von Bagdad gefangen. Der Ministerpräsident sei zu einem Überraschungsbesuch gekommen. Mit Handschellen gefesselt und verbundenen Augen hätten die Häftlinge an einer Wand gestanden, als Allawi gesagt habe, er wolle sie auf der Stelle töten.

Die beiden Zeugen habe er unabhängig voneinander gefunden, sagte McGeough. Keiner habe vom anderen gewusst, was er jeweils in seiner Aussage geschildert habe. Beide Zeugen hätten allerdings den genauen Tag der Erschießungen nicht angeben können.

Wie die Zeitung weiter schreibt, verließ McGeough den Irak kurz vor Erscheinen des Artikels. «Wenn man so eine Story hat, ist es keine gute Idee, im Land zu bleiben», wird er zitiert.

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