Vorwürfe gegen Justiz
Sarkozy schlägt zurück

Frankreichs Ex-Präsident wirft der Regierung in dem ersten TV-Interview seit seiner Kandidatur Lügen und eine Hetzkampagne vor. Auch die Justiz habe sich gegen ihn verschworen. Trotzdem will Sarkozy wieder auf die Bühne.
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ParisBei seinem ersten Fernsehinterview seit der verloren Wahl im Mai 2012 hat Nicolas Sarkozy schwerste Vorwürfe gegen die sozialistische Regierung und die Justiz erhoben. „Da Lage ist so ernst, dass ich die Franzosen auf den Missbrauch der Justiz für politische Zwecke in unserem Land hinweisen muss“, sagte der Ex-Präsident bebend vor Zorn. „Hier werden Dinge organisiert, die den Franzosen bekannt werden müssen.“ fügte Sarkozy hinzu, der in seinem Anwaltsbüro interviewt wurde. Er suggerierte, dass das Verfahren gegen ihn von seinen politischen Gegnern gesteuert werde.

Die Untersuchungsrichterinnen, die seinen Fall behandelten, seien voreingenommen: Eine von ihnen gehöre einer Gewerkschaft an, „die mich vernichten will“. Die Vorwürfe wegen Korruption und Beeinflussung eines Amtsträgers seien hanebüchen. Die Vorladung samt Untersuchungshaft habe nur einem Ziel gedient: „Man wollte mich erniedrigen.“

Mit beißendem Spott fragte Sarkozy: „War es notwendig, mich mit fünf Polizisten in einem Polizeiwagen vorzuführen? Mussten die Untersuchungsrichterinnen mich nach einem 15-stündigen Polizeiverhör um zwei Uhr morgens vernehmen? Wäre ich etwa nicht gekommen, wenn sie mich außerhalb der Haft vernommen hätten?“

Die Frage, ob er die Ablösung der Untersuchungsrichterinnen wegen Parteilichkeit beantragen werde, beantwortete der in zahlreiche Affären verstrickte Politiker allerdings nicht. „Ich werde Gelegenheit haben, mein Vorgehen deutlich zu machen“, wich er aus.

Der Justizministerin Christiane Taubira und dem Premier Manuel Valls machte Sarkozy die härtesten Vorwürfe: „Beide haben öffentlich gelogen, als sie erklärten, nichts von dem Abhören meiner Telefone gewusst zu haben.“ Tatsächlich war im TV nachgewiesen worden, dass die Justizministerin während der Erklärung ihrer Nicht-Information mit einem Papier wedelte, auf dem sie über die Abhöraktion unterrichtet wurde.

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