Vorwürfe gegen Karl Rove alarmieren das Weiße Haus
Das Hirn hinter Bush

Der Chef-Berater von George W. Bush steht unter Druck. Konsequenz: Das Weiße Haus wird nicht so schnell zur Ruhe kommen – immerhin gilt die Enttarnung eines Agenten als Straftat.

WASHINGTON. Kein Wunder, dass im Weißen Haus alle Alarmglocken schrillten, als Vorwürfe aufkamen, die Regierung habe eine CIA-Agentin aus politischen Gründen enttarnt – und dabei Roves Name fiel. Denn jede Attacke gegen den 53-Jährigen wäre eine Attacke gegen den Präsidenten. „Rove war nicht darin verwickelt“, versuchte Pressesprecher Scott McClellan jeden Verdacht im Keim zu ersticken. „Der Präsident weiß, dass er darin nicht verwickelt war.“

Immerhin hat US-Justizminister John Ashcroft nun eine formelle Untersuchung der Angelegenheit angeordnet. Es geht darum, dass das Weiße Haus versucht haben könnte, sich durch die gezielte Enttarnung einer CIA-Agentin an einem Kritiker des Irakkriegs zu rächen. Der mit der Agentin verheiratete Ex-Botschafter Joseph Wilson war im CIA-Auftrag nach Niger gereist und hatte danach die Erklärung des Weißen Hauses als falsch bezeichnet, der Irak habe dort Uran kaufen wollen. „Den Namen von Agenten offen zu legen, ist so, als würde man ihnen gleich eine Pistole an den Kopf halten,“ sagte der demokratische Senator Chuck Schumer. Und dann nannte Wilson Rove als Quelle der Indiskretion. Inzwischen zog er diesen Vorwurf zurück, bleibt aber dabei: Rove habe über die Enttarnung stillschweigend hinweggesehen.

Das Weiße Haus wird nicht so schnell zur Ruhe kommen – immerhin gilt die Enttarnung eines Agenten als Straftat. Die Demokraten fordern neben der Untersuchung durch das Justizministerium eine Ermittlung durch den Kongress oder sogar die Einsetzung eines Sonderermittlers. Das lehnt der Justizminister ab. Für Bush, in Umfragen stark abgefallen, kommt die Affäre äußerst ungelegen. Selbst seine Parteigänger kritisieren, dass die Erkenntnisse über die Existenz von irakischen Massenvernichtungswaffen vor dem Krieg schwach und teils überaltert waren.

Damit könnte Roves Traum in Gefahr geraten. Er hatte beim glanzvollen Sieg bei den Kongresswahlen im November als graue Eminenz Strippen gezogen, dann wollte er Bush zum Kriegspräsidenten im Kampf gegen weltweiten Terror stilisieren – und so die Macht seiner Partei für eine ganze Generation zementieren. Aber von einem leichten Sieg will Stratege Rove nichts wissen: „Wir erwarten eine hart umkämpfte Wahl mit knappem Ausgang. Das Land ist gespalten.“

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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