Vorwürfe gegen Obama
Die scheinbare Wende in Trumps Spitzel-Affäre

Was ist dran an Trumps unbelegtem Vorwurf, Obama habe ihn bespitzeln lassen? Eine Enthüllung im Geheimdienstausschuss gibt dem Präsidenten nun Argumentationshilfe. Trumps Unterstützer jubeln bereits – doch wohl zu früh.
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DüsseldorfEs war in den frühen Morgenstunden am Samstag vor bald drei Wochen, als Donald Trump einen seiner bislang berüchtigtsten Tweets absetzte. Ex-Präsident Barack Obama habe im vergangenen Jahr den Trump Tower verwanzen lassen, behauptete Trump – und trat damit eine Lawine los. Hat der ehemalige US-Präsident illegal Spione auf den Republikaner gehetzt? Bislang blieb Trump Beweise schuldig, selbst FBI-Chef James Comey und NSA-Direktor Mike Rogers sagten öffentlich, es gebe keine Belege für den Vorwurf.

Doch nun könnte die Affäre eine Wendung nehmen – zugunsten Trumps. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Devin Nunes, sagte am Mittwoch, Kommunikationsdaten aus Trumps Team – und vielleicht auch von Trump selbst – seien möglicherweise tatsächlich abgeschöpft worden. Und zwar im Rahmen einer legalen Überwachungsaktion ausländischer Quellen.

Allerdings fügte Nunes, auch er ein Republikaner, noch hinzu, er sei weiterhin davon überzeugt, dass Trump nicht von Obama belauscht worden sei. Auf die Frage im Ausschuss, ob man denn von einer Bespitzelung Trumps sprechen könne, antwortete er kryptisch: „Es kommt darauf, wie man Bespitzelung definiert.“

Für den Präsidenten und seine Büchsenspanner aber ist Nunes‘ Aussage die ersehnte Befreiung. „Wow, hier ist es, die Medien lagen so falsch“, sagte der Starmoderator des konservativen TV-Senders Fox News, Sean Hannity. Newt Gingrich, republikanischer Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses und Trump-Unterstützer, sekundierte: „Jeder Amerikaner sollte beunruhigt sein“. Der Präsident habe Recht gehabt mit seinen Vorwürfen. Trump selbst sagte Reportern im Weißen Haus, er fühle sich durch die neuen Informationen „ein Stück weit“ bestätigt. „Ich bin sehr froh darüber, dass sie das gefunden haben“.

Der Fall muss im Zusammenhang mit den Russland-Vorwürfen gegen Trumps Wahlkampfteam und gegen Trump selbst gesehen werden. Die Demokraten werfen dem Republikaner vor, sich mit russischen Spionen verbündet zu haben, um Konkurrentin Hillary Clinton zu schaden. Trump bestreitet die Vorwürfe vehement, allerdings ermitteln inzwischen nicht nur zwei Ausschüsse des Kongresses, sondern auch eine Task Force von FBI und NSA in dem Fall.

Trumps Abhörvorwürfe gegen Obama werden deshalb von vielen in Washington als durchsichtiges Manöver angesehen, um die Aufmerksamkeit von der möglichen Russland-Connection abzulenken. Geheimdienstausschuss-Chef Nunes erklärte am Mittwoch weiter, die nun von ihm genannte Abhöraktion sei nicht Teil dieser FBI-Ermittlungen gewesen. Warum die Daten des Trump-Teams dann abgefangen wurden und wie er an die Information darüber gelangte, sagte Nunes nicht. Über seine Erkenntnisse informierte er jedoch das Weiße Haus. Den ranghöchsten Demokraten aus dem Geheimdienstausschuss, Adam Schiff, bezog er dabei nicht mit ein. Dies wäre in solchen Fällen aber eigentlich üblich.

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Trumps Ex-Wahlkampfleiter und der Oligarch

Kommentare zu " Vorwürfe gegen Obama: Die scheinbare Wende in Trumps Spitzel-Affäre"

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  • @ Herr Andreas Schindler

    >> Alle Augen richten sich nun einmal auf Moskau! >>

    Wenn Sie zu weit gucken, kann es ihren Augen schaden !

    Schauen Sie sich am Besten vor Ihre Füsse !

  • @ Herr Andreas Schindler

    >> ..warum lassen Sie sich den dem Befriff "Lügenpresse" so beeidrucken >>

    Hier dreht Ihre Fantasie mit Ihnen durch.

    Der Begriff LÜGENPRESSE ist kein Begriff, mit dem man etwas beeindrucken kann,

    sondern eine BESTANDS-Beschreibung der gegenwärtigen Mainstreampresse.

  • Merkt man im Westen eigentlich nicht, dass man dabei ist, sich über Wochen oder Monate politisch selbst zu paralysieren, wenn irgendwelche Kontakte mit Russland allein schon in den Bereich des Möglichen gerückt werden.
    Irgendwie kommt mir Putin inzwischen als die Inkarnation des Börsenspekulanten vor der immer gewinnt, egal, ob die Kurse rauf oder runter gehen.
    Es ist schon jetzt abzusehen, dass natürlich Russland unterstellt wird, bei der BT-Wahl 2017 den obsiegenden Kanzler-Kanidaten unterstützt zu haben, um so eine Marionette auf dem Kanzlerstuhl zu installieren, die der russischen Politik willfährig ist.

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