Vorwürfe gegen Trump
Wenn Schweigen großen Mut erfordert

Donald Trump hantiert gerne mit nicht bestätigten Vorwürfen. Das ist verlockend, wenn die Details so brisant sind wie jetzt gegen ihn. Wir sollten uns seinem Stil aber nicht anpassen. Ein Kommentar.
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DüsseldorfPolitisch mögen wir Donald Trump kritisieren – aber seien wir ehrlich: Wir Medien lieben ihn auch irgendwie. Und wenn es auch eine Hassliebe ist. So viele Storys hat er uns schon beschert – spannende, unterhaltsame, abstoßende, alles war dabei. Bei manchen Geschichten aber ist journalistische Zurückhaltung geboten. Und solch eine kursiert gerade.

Es ist eine brisante Geschichte: Angeblich hat Russland eine ganze Reihe kompromittierender privater und finanzieller Informationen über den künftigen US-Präsidenten gesammelt. Und angeblich unterstützen die russischen Behörden Trump seit mindestens fünf Jahren. Ein ehemaliger britischer Geheimagent hat dies unter Berufung auf russische Quellen aufgeschrieben und an das FBI weitergeleitet.

Diese Dokumente aus den Monaten Juni bis Dezember vergangenen Jahres kursieren in Washington seit Wochen, teilweise wohl seit Monaten. Und zig Journalisten haben versucht, eine Bestätigung für sie zu bekommen. Da aber noch immer völlig unklar ist, ob die Vorwürfe stimmen, hat bisher kein Journalist wirklich darüber geschrieben. Bis Dienstag.

Da verbreitete der Fernsehsender CNN die Nachricht, die US-Geheimdienste hätten in einem Briefing US-Präsident Barack Obama und seinem Nachfolger Donald Trump eine zweiseitige Zusammenfassung der Vorwürfe als Anhang von Unterlagen überreicht. Ob darüber diskutiert worden ist – unklar. Ob die peinlichen und kompromittierenden Informationen wahr sind – erst recht unklar.

Das Internetportal Buzzfeed veröffentlichte daraufhin 35 Seiten auf seiner Webseite – mit dem Hinweis, dass der Inhalt unbestätigt sei und vielleicht auch gar nicht zu bestätigen, dass einige sachliche oder orthografische Fehler in den Berichten auffielen – aber dass sich die US-Öffentlichkeit nun einfach selbst ihre Meinung bilden sollte. Ja wie denn bitte?

Trump dementierte die Vorwürfe als „Fake News – eine totale politische Hexenjagd“. Auch der Kreml dementiert. Ein Dementi der einen Seite, keine Bestätigung der anderen Seite: Eigentlich journalistisch Grund genug, die Story erst einmal ruhen zu lassen, so frustrierend das sein mag, wenn man all die schönen anzüglichen Details schwarz auf weiß vor sich liegen hat. Dennoch sind die Vorwürfe derzeit mehr oder weniger ausführlich auf jeder Nachrichtenseite zu finden. Der Geist ist aus der Flasche – in zweifacher Hinsicht.

Die Vorwürfe sind so brisant, dass kein Medium sich traut, sie nicht zu thematisieren – auch nicht das Handelsblatt. Schließlich könnten sie jetzt – bestätigt oder nicht – die inneramerikanische politische Debatte und auch das russisch-amerikanische Verhältnis beeinflussen. Es geht schließlich um niemand Geringeren als den mächtigsten Mann der immer noch mächtigsten Nation der Welt. Und sein Verhältnis zu einem der international wichtigsten Gegenspieler der USA. Einfach ignorieren geht da auch irgendwie nicht.

Zum anderen hat Trump selbst während des US-Wahlkampfs mit teilweise unhaltbaren Vorwürfen kreativ gearbeitet, um die öffentliche Meinung einfach erst einmal zu beeinflussen. Richtigstellen kann man ja später immer noch. Postfaktisch heißt das Wort des Jahres, das diesen Politikstil beschreibt. Darf sich so jemand beschweren, wenn er auf gleiche Weise Opfer dieser Diskussion ohne bestätigte Fakten wird? Vielleicht nicht.

Aber wir sollten uns seinem Stil nicht anpassen, schon gar nicht, indem wir die unbestätigten Vorwürfe im Einzelnen widergeben. Auch mit einem unfair agierenden Politiker sollten wir fair umgehen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland

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  • Sie haben völlig recht Mark Hoffmann: Die Stimmung wird agressiv. Dass ein inkompetenter Spalter wie Trump Präsident geworden ist, regt die meisten Menschen richtig auf. Dass er auch noch von Russland mit unsauberen Mitteln unterstützt wird, schlägt aber dem Fass endgültig den Boden aus! Selbstverständlich gibt es nun eine agressive Stimmung gegen ihn - und auch gegen Putin. Die Falken in der NATO sind längst wach geworden, aus dem NATO-Manöver kann in der Tat eine Isolation der Region Königsberg werden. In der EU hat man kürzlich Gesetze verabschiedet, die Russlands Einfluss auf westliche Parteien reduziert. Und auch auf weiteren wirtschaftlichen Gebieten wird Russland noch härter sanktioniert. Die Menschen, die ich kenne, begrüßen das. Und mit Bla Bla und Desinformation im Internet und ständigen Dementis aus Moskau wird die Lage auch nicht besser. Mit ihrem Gejaule um die von ihnen ach so verhasste Merkel hat das gar nichts zu tun. Nur die russische Bevölkerung, die unter den Sanktionen leiden wird, kann einem leidtun.

  • @ Moritz J. Mueller
    Wenn es irgendwelche stichhaltigen Beweise gegen Trump geben würde, dann wären die schon längst auf dem Tisch gelandet. Bei der momentanen aggresiven Stimmung der Hauptmedien in den USA und Deutschland gegen Trump wären die Fakten schon längst auf dem Tisch.
    Da steht also eine Behauptung im Raum und keine Fakten dazu....das ist einfach nur übler Demokraten - Hauptmedien Propaganda. Weiter nichts!

  • Mit jedem dieser Elaborate entfernen sie sich vom seriösen Journalismus, der sich mit Fakten und deren Interpretation beschäftigen sollte und nähern sich dem Niveau von Radio Eriwan und Sudelede.

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