Vorwürfe über nichteingehaltene Zusagen
G8 berät über Armut in Afrika

Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer und Russlands (G8) haben am Montag auf der japanischen Insel Hokkaido ihr Gipfeltreffen mit Beratungen über den Kampf gegen Armut in Afrika begonnen.

HB TOYAKO. Dabei dürften auch die massiv gestiegenen Lebensmittelpreise und die Folgen dessen gerade für die ärmsten Länder zur Sprache kommen. Diskutiert werden diese Themen am ersten Tage des Gipfels in Toyako mit den politischen Führern von sieben afrikanischen Staaten sowie den Spitzen von EU-Kommission, Weltbank, Vereinte Nationen und Afrikanischer Union. Die G8 sieht sich darüber hinaus dem Vorwurf afrikanischer Länder und von Hilfsorganisationen ausgesetzt, frühere Versprechen für umfangreiche Finanzhilfen nicht einzuhalten. EU-Kommissionspräsident Barroso will einen milliardenschweren EU-Fonds zur Bekämpfung des weltweiten Hungers auflegen lassen. Eine Mrd. Euro solle der Landwirtschaft und den Bauern in den armen Ländern zugute kommen, sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am Morgen in Japan eingetroffen war, hatte zuletzt mit Blick auf die hohen Nahrungsmittelpreise in einem Zeitungsinterview ein umfassendes Maßnahmenpaket zur globalen Ernährungssicherung angekündigt.

US-Präsident George W. Bush und Gastgeber Japan wiesen zudem Vorwürfe zurück, die G8-Staaten würden frühere Versprechen an Afrika und die Entwicklungsländer generell nicht einhalten.

Entsprechende Berichte seien "vollkommen falsch", erklärte das japanische Außenministerium. Bush plädierte für mehr Unterstützung bei der Bekämpfung von Krankheit und Armut in Afrika. Die Hilfsorganisation Oxfam hatte behauptet, die Industrieländer wollten von ihren vor drei Jahren beim Gipfel in Gleneagles zugesagten Milliardenzusagen abrücken.

Beim G8-Gipfel in Heiligendamm im vergangenen Jahr war noch von Hilfen über 60 Milliarden Dollar für Afrika zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose die Rede gewesen. Ein Zeitplan dafür wurde aber nicht genannt. An dem Treffen mit den G8-Staats- und Regierungschefs am Montag werden deren Kollegen aus Algerien, Äthiopien, Ghana, Nigeria, Senegal, Südafrika und Tansania teilnehmen. Merkel trifft zudem neben dem japanischen Regierungschef Yasuo Fukuda und dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew noch den Präsidenten von Tansania, Jakaya Mrisho Kikwete, und Premierminister Meles Zenawi aus Äthiopien zu gesonderten Gesprächen.

Das zweite große Gipfelthema - die dramatisch gestiegenen Ölpreise - wird vermutlich ebenfalls schon beim G8-Afrika-Treffen eine Rolle spielen. Großen Raum dürfte es dann aber am Dienstag, dem Hauptarbeitstag des Gipfels, bei den Diskussionen über die Weltwirtschaft und ihre Probleme einnehmen. Daneben werden dann die gemeinsamen Anstrengungen um mehr Klimaschutz zur Sprache kommen. Während aus den meisten Ländern im Vorfeld eher skeptische Stimmen laut geworden waren, wonach es keine großen Forschritte in Toyako geben werde, hatte sich EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso überraschend zuversichtlich geäußert.

Entscheidend dürfte sein, ob sich die USA bereiterklären, im Geleitzug mit den anderen G8-Ländern konkrete mittelfristige Zielwerte für die Reduzierung des weltweiten Schadstoffausstoßes ins Auge zu fassen. Bush macht das vor allem von Beiträgen zur CO2-Minderung auch der großen Schwellenländer China und Indien abhängig, mit denen die G8 am Mittwoch über diese Fragen diskutieren wollen. Die Formel, unter denen diese Länder einbezogen werden sollen, ist die von der "gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung". Danach müssten die reichen Industriestaaten mehr als die aufstrebenden Wirtschaftsmächte für den Klimaschutz tun. Der G8-Gipfel endet am Mittwoch mit einer Abschlusserklärung des Gastgeberlandes.

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