Vorwürfe wegen Hurrikan-Hilfe
US-Regierung wegen "Katrina" unter Druck

Die US-Regierung sieht sich neuen schweren Vorwürfen wegen ihrer Katastrophenhilfe nach dem Hurrikan "Katrina" ausgesetzt. Weißes Haus und Heimatschutzministerium hätten sich zu viel Zeit gelassen.

HB WASHINGTON. Nach Angaben eines Exbehördenchefs wussten das Weiße Haus und das Heimatschutzministerium früher als behauptet von den Dammbrüchen in New Orleans. Die Regierung sei zu stark mit dem Kampf gegen den Terrorismus beschäftigt gewesen und habe daher die Vorbereitung auf Naturkatastrophen sträflich vernachlässigt, sagte der frühere Leiter des Amts für Katastrophenmanagement (Fema), Michael Brown, am Freitag (Ortszeit) vor einem Senatsausschuss in Washington.

Brown war seinerzeit für die Koordination der Hilfsmaßnahmen zuständig und nach heftiger Kritik an seinem eigenen Versagen zurückgetreten. Nachdem er selbst zunächst die Behörden in den Katastrophengebieten für die Versäumnisse vor und nach dem Hurrikan verantwortlich gemacht hatte, attackierte er vor dem Ausschuss nun in massiver Form seine Vorgesetzten, das heißt, das Weiße Haus und das Heimatschutzministerium.

Das Gremium untersucht, warum die Regierung so langsam reagierte, nachdem der Hurrikan am 29. August Teile von Mississippi und Louisiana verwüstete und fast ganz New Orleans unter Wasser gesetzt hatte. Das Heimatschutzministerium unter Michael Chertoff, dem die Fema unterstellt ist, hatte behauptet, erst am Tag nach „Katrina“ vom katastrophalen Ausmaß der Überschwemmungen gewusst zu haben. Brown nannte dies „unsinnig“. Er sagte aus, dass er am 29. August mehrere Male mit hochrangigen Mitarbeitern des Weißen Hauses, darunter Stabschef Andrew Card, gesprochen und gewarnt habe: „New Orleans wird überflutet. Der schlimmste Fall ist eingetreten.“

Brown sprach von eklatanten Versäumnissen. Ein Desaster für den Fall einer schweren Naturkatastrophe sei seit längerem absehbar gewesen, weil die Regierung so stark auf den Antiterrorkampf fixiert gewesen sei. „Das Versagen war programmiert“, sagte der ehemalige Behördenchef. Man solle sich einmal vorstellen, „wie jeder gesprungen wäre, wenn damals die Nachricht gelautet hätte: Ein Terrorist hat den Damm an der 17. Straße gesprengt...Jeder hätte versucht, alles Mögliche zu tun“, hielt Brown den Senatoren im Ausschuss vor Augen. „Aber es war eine Naturkatastrophe, und das ist zum Stiefkind des Heimatschutzministeriums geworden.“

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