Vorwurf der Günstlingswirtschaft
Weltbank-Präsident Wolfowitz knickt ein

Seit Wochen steht Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz unter schwerem Beschuss. Günstlingswirtschaft lautet der Vorwurf seiner Kritiker. Nach langem Zaudern zieht er nun die Konsequenzen und tritt zum 30. Juni zurück – im besten Einvernehmen, wie es offiziell heißt. Doch ein Deutscher zerstört den schönen Schein.

HB WASHINGTON. Wolfowitz' Rücktritt teilte die Weltbank am Donnerstagabend (Ortszeit) nach dreitägigen Marathon-Beratungen des Exekutivrats der Organisation offiziell mit. Weiter hieß es, dass der Nominierungsprozess für einen Nachfolger sofort beginnen werde.

Wolfowitz seinerseits betonte, es sei an der Zeit, einen „Weg vorwärts“ zu finden. Die Ärmsten auf der Welt vor allem in Afrika verdienten „das Beste, was wir bieten können“. Vor diesem Hintergrund sei er zu dem Schluss gekommen, dass es am besten wäre, wenn diese Mission unter einer neuen Führung fortgesetzt werde.

US-Präsident George W. Bush bedauerte die Entscheidung von Wolfowitz und kündigte an, schon bald einen Nachfolger zu nominieren. Traditionell führt ein US-Amerikaner die Entwicklungshilfe-Organisation.

Wolfowitz (63) war wegen Beförderung seiner ebenfalls bei der Bank beschäftigten Lebensgefährtin Shaha Riza auf einen weitaus höher bezahlten Posten unter Beschuss geraten. Vor allem die Europäer kritisierten ihn. In den vergangenen Tagen hatten sich die US-Regierung zusammen mit dem Exekutivrat und Wolfowitz selbst um einen Kompromiss bemüht, um einen offenen Bruch innerhalb des Führungsgremiums zu vermeiden und Wolfowitz einen freiwilligen Rückzug ohne weiteren Gesichtsverlust zu ermöglichen.

In der Erklärung des 24-köpfigen Exekutivrats hieß es nun, Wolfowitz habe dem Führungsgremium versichert, dass er ethisch und nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt habe. „Wir akzeptieren dies“, hieß es wörtlich. Akzeptiert werde auch, dass andere an dem Vorgang Beteiligte ebenfalls ethisch gehandelt hätten. Im vorliegenden Fall hätten jedoch „eine Reihe von Einzelpersonen eine Reihe Fehler“ begangen und sich die Bankregularien als nicht robust genug für die Belastungen erwiesen, denen sie ausgesetzt gewesen seien. Als Konsequenz müssten die geltenden Regeln und Standards überprüft werden.

Das Gremium dankte Wolfowitz zugleich für seine Arbeit und würdigte seine Verdienste. In den zwei Jahren seiner Amtszeit sei viel erreicht worden, hieß es in der Erklärung unter anderem mit Hinweis auf einen umfassenden Schuldenerlass für die armen Länder weiter. Es sei bedauerlich, dass diese Verdienste von den jüngsten Ereignissen überschattet worden seien.

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