Vorwurf der Vetternwirtschaft
Britischer Verteidigungsminister tritt zurück

Nach Vorwürfen der Vetternwirtschaft ist der britische Verteidigungsminister Liam Fox zurückgetreten. Schon wenige Stunden später kann die Regierung einen Nachfolger präsentieren.
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LondonAdam Werritty sei lediglich „ein guter Freund“ gewesen - lange hat Liam Fox versucht, sich mit dieser Erklärung aus der Bredouille zu winden. Letztlich hat jener Fox nun einen Bärendienst erwiesen und den britischen Verteidigungsminister zu Fall gebracht. Fast täglich zerrten Großbritanniens Medien in den vergangenen Tagen mutmaßliche Details über Werritty und dessen Reisen und Treffen mit Fox ans Licht. Es geht um den Verdacht von Vetternwirtschaft im Rüstungssektor, Korruption, illegale Einblicke in Staatsgeheimnisse sowie die Grauzone des Lobbyismus. 

Und das alles ausgerechnet im militärischen Bereich, und ausgerechnet zu einer Zeit, da britische Soldaten im Einsatz in Afghanistan und Libyen ihr Leben riskieren. Gemeinsam mit Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy profiliert sich Cameron seit Wochen als Vorkämpfer in der Allianz, die den libyschen Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi zu Fall gebracht hat. 

Ob Fox nun wirklich am Freitagnachmittag auf eigene Initiative zurücktrat, um den Schutz seiner Soldaten und Mitarbeiter vor persönliche Interessen zu stellen - so die offizielle Version -, ob er „Opfer einer hysterischen Medien-Hetzjagd“ wurde, wie seine Anhänger beklagen, oder ob er doch von Cameron unter Druck gesetzt wurde - darüber lässt sich trefflich spekulieren. 

Auf jeden Fall hat Cameron ihm in den vergangenen Tagen noch den Rücken gestärkt, ihn selbst in einem öffentlichen Brief wenige Minuten nach dem Rücktrittsgesuch als „Freund“ bezeichnet und ihm für seine „herausragende Arbeit“ gedankt. Cameron - der sich selbst als „liberalen Konservativen“ bezeichnet und den in Großbritannien ungewohnten Balanceakt einer Koalitionsregierung gehen muss - steht angesichts der Eurokrise bereits unter dem Druck einer neuen und mächtigen Gruppe von EU-Kritikern in den eigenen Reihen. Machte er sich den erzkonservativen und leutseligen Fox zum Feind, hätte er womöglich neuerlich Störenfriede in der eigenen Partei. 

Doch die Gratwanderung ist für Cameron schwierig. Welche Regeln genau Fox mit seinem Verhalten gebrochen hat, werden erst die Ergebnisse einer Untersuchungskommission zeigen, die nächste Woche vorgelegt werden sollen. Danach zeichnet sich eine öffentliche Debatte ab über mögliche neue Verhaltensregeln und das Zusammenspiel von Regierungsmitgliedern, Staatsbediensteten und Lobbyisten. 

Angesichts des fortlaufenden Skandals um abgehörte Telefonate durch das inzwischen eingestellte Boulevardblatt „News of the World“, dessen Ex-Chefredakteur Cameron als Sprecher beschäftigt hatte, dürfte ihm daran gelegen sein, diesmal das Thema möglichst klein zu halten. Dazu passt, dass Philip Hammond in einer Mini-Kabinettsumbildung neuer Verteidigungsminister werden soll - der bisherige Verkehrsminister gilt als ruhig und besonnen. 

Doch die Vorwürfe sind brisant. Fox soll seinem gut 16 Jahre jüngeren Freund und Trauzeugen Werritty Zugang zu Ministern, Geschäftsleuten, Botschaftern und Geldgebern verschafft haben, wie mehrere Medien berichten. Wessen Interessen Werritty vertritt und wer ihm die teuren Auslandsreisen finanziert hat, ist unklar. Auf seiner Visitenkarte stand „Berater des Verteidigungsministers“ - diesen Titel hatte er jedoch nie inne. Schon verlangt der „Schatten-Verteidigungsminister“ Jim Murphy eine unabhängige Untersuchungskommission. „Liam Fox hat den ministeriellen Verhaltenskodex gebrochen.“ Jetzt müssten die Details ans Licht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Einsatzkosten in Afghanistan belaufen sich allein für das US-Kontingent auf 100 Milliarden USD jährlich.
    Diese Summen fließen nicht nach Afghanistan (dessen BIP beträgt nur
    rund ein Zehntel der US-Einsatzkosten).
    Ebensowenig sind diese Gelder für Soldaten oder deren Hinterbliebene bestimmt.
    Auf wunderbare Weise verwandeln sich diese Gelder in solide
    Bilanzgewinne.
    10 Jahre läuft nun diese endlose Geschichte von Bestechung und
    Veruntreuung.
    Würdigt man den Schaden,den Männer wie Liam Fox ihrer britischen Heimat im Krieg zugefügt haben ...




  • nun tut doch nicht so scheinheilig

    Wir wissen inzwischen, dass ihr alle unter einer Decke steckt. Ihr seid nur die Handlanger der Illuminaten und Banker.

    Ihr seid 1%

    Aber ihr lügt, wenn ihr sagt, dass ihr uns vertretet.
    Ihr dient nicht uns, sondern den Notenbanklen und den Illuminaten.

    Wir sindd as Volk
    wir sind 99%

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