International

_

VW-Käfer: Der Tod einer rollenden Ikone

Mexikos Aufschwung wäre ohne das kultige VW-Buckelauto wohl anders verlaufen. Seit Jahrzehnten wird der Käfer dort produziert und geschätzt. Und doch sollen Käfer-Taxis nun von den Straßen der Hauptstadt verschwinden.

Die Miniatur eines VW-Käfer aus Blech vor einem original „Brezelkäfer“ im Auto-Museum Volkswagen in Wolfsburg. Quelle: dpa
Die Miniatur eines VW-Käfer aus Blech vor einem original „Brezelkäfer“ im Auto-Museum Volkswagen in Wolfsburg. Quelle: dpa

Mexiko-StadtDer 31. Dezember 2012. Luis García hat diesen Tag schon unzählige Male im Kopf durchgespielt. Er hat sich die letzte Route überlegt, wie das letzte Tanken sein wird, wer der letzte Fahrgast. Und dann der Abschied. Würdig soll er werden. So viel ist sicher. Denn am letzten Tag des Jahres muss Luis García sich von einem seiner treuesten Begleiter verabschieden. Er nennt ihn "Hermano Vocho", "Bruder Volkswägelchen".

Anzeige

In den vergangenen zehn Jahren hat der Taxifahrer mehr Zeit mit diesem Familienmitglied auf vier Rädern verbracht als mit Frau und Kindern. Auf der Suche nach Passagieren ist García an sechs Tagen der Woche morgens um sieben in seinen VW-Käfer gestiegen und bis 21 Uhr rund 300 Kilometer über die Straßen der zweitgrößten Stadt der Welt gefahren. Allen Fahrgästen hat der Taxista erzählt, wie ungerecht es ist, dass die Stadtregierung sein buckliges Taxi jetzt ausmustert.

Marktüberblick Die billigsten Autos der Welt

  • Marktüberblick: Die billigsten Autos der Welt
  • Marktüberblick: Die billigsten Autos der Welt
  • Marktüberblick: Die billigsten Autos der Welt
  • Marktüberblick: Die billigsten Autos der Welt

Der Käfer gelte als unsicher und unsauber und passe nicht mehr in die Zeit, sagt das Verkehrsamt. Dabei lieben alle mexikanischen Taxifahrer den runden Deutschen. Denn er gilt auch in Lateinamerika als unkaputtbar. Das Käfer-Taxi von García, Baujahr 2002, hat schon 704.854 Kilometer auf dem Tacho. "Und nur einmal musste ich die Kolbenringe auswechseln".

Mexiko und der Käfer. Diese Beziehung hält schon fast ein halbes Jahrhundert. Als der Bucklige in Deutschland allmählich aus der Mode kam, stieg er in Mexiko gerade erst zum Symbol für eine mobile Gesellschaft auf. 1967 rollten die ersten Exemplare im VW-Werk in Puebla vom Band. "Der Käfer hat hier das Volk motorisiert", sagt Thomas Karig, Sprecher von Volkswagen de México.

Dabei musste sich der Käfer seinen Platz in einem von großen US-Autos dominierten Markt erst erkämpfen. "Eishobel" spotteten die Mexikaner zu Anfang über den rundlichen Zweitürer. Aber später lernten sie die Vorteile des Autos zu schätzen. Im besten Käfer-Jahr 1993 waren von 395.000 in Mexiko verkauften Autos 95.000 Käfer. "Seine Erfolgsgeschichte macht ihn zum meistverkauften Fahrzeug in Mexiko", sagt Thomas Karig. 1,7 Millionen Käfer baute Volkswagen in Mexiko, bis die Produktion 2003 auslief.

  • Die aktuellen Top-Themen
DGB-Chef Hoffmann: Lohnpolitik kein Instrument im Kampf gegen Euro-Krise

Lohnpolitik kein Instrument im Kampf gegen Euro-Krise

DGB-Chef Reiner Hoffmann lehnt Empfehlungen der Bundesbank ab. „Es gilt nach wie vor die Tarifautonomie“, betont der Gewerkschaftschef. Dabei haben die Währungshüter einen bemerkenswerten Vorschlag gemacht.

US-Außenminister: Kerry setzt sich für Waffenruhe im Gazastreifen ein

Kerry setzt sich für Waffenruhe im Gazastreifen ein

US-Außenminister John Kerry legt seinen Vorschlag für eine Waffenruhe im Gazastreifen vor. Laut einer Sprecherin des US-Außenministerium seien Kerrys Gespräche allerdings „sehr kompliziert“ verlaufen.

Rettungssanitäter in Gaza: Die nächste Horrorschicht

Die nächste Horrorschicht

Sie sammeln Leichenteile ein, müssen tote Kinder bergen: die Rettungssanitäter in Gaza. Immer wieder geraten sie unter Beschuss – der Israelis und der Hamas. Doch Aufgeben kommt für sie nicht in Frage.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International