Wachmänner in Flüchtlingsheimen
„Wir sind immer an vorderster Front“

Sicherheitsleute haben in Flüchtlingsheimen keinen leichten Job. Umso wichtiger ist gut geschultes Personal. Jüngste Vorkommnisse werfen aber ein schlechtes Licht auf die Branche. Der Verband fordert strengere Vorgaben.

EllwangenNorman Schmidt ist schockiert. Er ist Sicherheitsmann seit 14 Jahren. Er kennt seine Branche. „Dass man sich gegenseitig Aufträge abgräbt, das gibt es immer wieder“, sagt der 38-Jährige in der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (Lea) in Ellwangen (Baden-Württemberg). „Aber dass man Handgranaten schmeißt, dass hab ich noch nie gehört.“ Er ärgert sich. Es gebe viele schwarze Schafe in der Branche, aber dabei gehe es meist um schlechte Bezahlung und erbitterten Preiskampf. Nicht um Gewalt.

Am 29. Januar werfen Unbekannte eine Handgranate auf das Gelände eines Flüchtlingsheims in Villingen-Schwenningen. Viele sprechen rasch von Fremdenhass, doch der Anschlag im Schwarzwald geht allem Anschein nach auf einen Konkurrenzkampf unter Sicherheitsfirmen zurück. Seither wird nicht nur in Baden-Württemberg über die Frage diskutiert, wie sicher die Sicherheitsdienste sind.

Der Zuzug von Asylbewerbern beschert den Wachdiensten einen Boom. Nach Schätzung des Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) überwachen derzeit 10.000 Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten bundesweit Flüchtlingsunterkünfte. Die Arbeit mit teils traumatisierten Asylbewerbern benötigt Feingefühl. Doch immer wieder geraten auch die Wachleute wegen Gewaltvorwürfen in die Schlagzeilen.

Norman Schmidt arbeitet für die Karlsruher Firma Siba. Er ist Objektleiter in der Lea in Ellwangen. Etwa 1500 Flüchtlinge leben hier, rund um die Uhr sind etwa 30 Sicherheitsleute im Einsatz. Die Wachmänner kontrollieren den Zugang zum Heim und achten auf die Einhaltung der Hausordnung. Die Tagschicht geht über 12 Stunden.

Die Wachleute sind über die ganze Kaserne verteilt, in der Kantine, am Infopoint, an der Pforte, sie laufen Streife am Kasernenzaun. Und sie sind immer mindestens zu zweit unterwegs. „Wir brauchen ausreichenden Schutz durch mögliche Bedrohungen von außen“, sagt Lea-Leiter Berthold Weiß. „Dann geht es aber auch um die innere Sicherheit, dass Abläufe ordentlich vonstattengehen. Ohne Sicherheitsdienst kriegst du das nicht gebacken.“ Und dann geht es natürlich auch um Schlägereien und Zwist unter den Asylbewerbern. In der Lea in Ellwangen bricht immer wieder Gewalt aus.

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„Türsteher können wir nicht gebrauchen“

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