Wachsender Staatsanteil: Der Kreml greift nach den Konzernen

Wachsender Staatsanteil
Der Kreml greift nach den Konzernen

In Russland geraten immer mehr private Unternehmen unter Staatskontrolle. In der kommenden Woche will Präsident Wladimir Putin mit seiner Unterschrift den Startschuss für die Vereinigung aller Flugzeugbaubetriebe geben. An der neuen Holding soll der Staat einen Anteil von mindestens 75 Prozent halten, kündigte die Regierung in Moskau an.

MOSKAU. Mit seiner aktiven Industriepolitik will Putin die Staatswirtschaft neu aufbauen und Russlands Stellung als wirtschaftliche Großmacht untermauern. Seit seinem Amtsantritt in der Silversternacht 2000 ist allein im Ölsektor der Staatsanteil von 7,2 Prozent auf ein Drittel gestiegen. Der staatliche Ölkonzern Rosneft will zwar einen Minderheitsanteil im Wert von 20 Mrd. Dollar an die Börse bringen – doch soll der Erlös genutzt werden, um die Dominanz des Konzerns zu stärken, erklärte Vorstandschef Sergej Bogdantschikow.

Für Aufsehen hatte die Übernahme des Herzstücks des bis dahin größten Ölkonzerns Yukos durch den staatlichen Ölförderer Rosneft gesorgt. Doch hat die Aktion den Appetit der Regierung auf Industriebetriebe nicht gezügelt. Nach Berechnungen der Moskauer Alfa-Bank schnellte der Staatsanteil an den börsennotierten Unternehmen in den vergangenen zweieinhalb Jahren auf 30 Prozent (oder 190 Mrd. Dollar) der gesamten Marktkapitalisierung empor. Allein 2005 gaben staatliche Konzerne fast 18 Mrd. Dollar für Übernahmen privater Konkurrenten aus.

Nun kündigte der Chef der Industrieagentur, Boris Aljoschin, den Zusammenschluss aller Autoproduzenten in einer Staatsholding an. „Der Staat versenkt Milliarden in sinnlosen Versuchen, am Markt nicht durchsetzungsfähige Modelle zu entwickeln“, kommentiert die liberale Zeitung Nowije Iswestija. Der Rüstungsexportmonopolist Rosboronexport hat bereits den Pkw-Hersteller Lada und den Lastwagenkonzern Kamaz übernommen. Nun will er nach eigenen Angaben den weltgrößten Titan-Produzenten VSMPO-Avisma schlucken. Seit Wochen halten sich Gerüchte, dass der staatliche Diamantenmonopolist Alrosa nach dem weltgrößten Nickel- und Platinproduzenten Norilsk Nickel greift.

Zuvor hatte Alrosa, wo Finanzminister Alexej Kudrin Aufsichtsratschef ist, das Ziel ausgegeben, sich zu einem breit aufgestellten Bergbaukonzern zu entwickeln. Auch die Öl- und Gasförderung soll dazu gehören. Russlands Gasexport und die Stromproduktion sind fest in Staatshand. Zwar hatte Putin erklärt, der Staat wolle keine weiteren privaten Ölfirmen mehr schlucken. Doch dem dürfe man „keinen Glauben schenken“, sagt Wladimir Milow, der als Ex-Vizeenergieminister gut verdrahtete Präsident des Instituts für Energiepolitik. Nach seiner Schätzung werde der Staatsanteil in der Ölindustrie auf 50 bis 60 Prozent steigen.

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