Wachstum adé: Frankreich senkt Konjunkturprognose

Wachstum adé
Frankreich senkt Konjunkturprognose

Finanzminister Pierre Moscovici hat die Konjunkturprognose deutlich gekappt. Damit schwenkt Paris auf die Vorhersagen der EU-Kommission ein. 2013 wird es nur ein Miniwachstum geben.
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ParisDie französische Regierung verabschiedet sich Stück für Stück von ihren Wachstumszielen. Finanzminister Pierre Moscovici hat am Sonntag die Konjunkturprognose für dieses und das kommende Jahr deutlich gesenkt. Demnach wird es 2013 nur ein Miniwachstum von 0,1 Prozent geben, für 2014 werden 1,2 Prozent erwartet.

Damit schwenkt Paris auf die Vorhersagen der EU-Kommission ein. Zuvor hatte die Regierung von Präsident François Hollande eine schnellere Erholung vorhergesagt. Ursprünglich war ein Wachstum von 0,8 Prozent für dieses und 2,0 Prozent für das nächste Jahr angepeilt worden.

Moscovici sagte dem Sender i-Tele, er erwarte positive Auswirkungen der Konjunkturentwicklung auf den Arbeitsmarkt für 2015, ein Jahr später als zunächst erwartet. Die Arbeitslosenquote in Frankreich liegt aktuell bei fast 11 Prozent und damit so hoch wie seit 1999 nicht mehr. Hollande hatte noch Ende März betont, er setze auf eine Umkehr des Trends auf dem Arbeitsmarkt bis zum Jahresende. Dies sei keine Frage des Glaubens, sondern ein Ziel.

Die nach Deutschland zweitgrößte Wirtschaftsnation im Euro-Raum hatte im vierten Quartal 2012 ein Minus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal von 0,3 Prozent verzeichnet. Für das gesamte Jahr 2012 standen in Frankreich 0,0 Prozent beim Wachstum zu Buche - also Stagnation. Im Jahr 2011 waren es laut Statistikbehörde Insee noch plus 1,7 Prozent.

Der renommierte Ökonom Thomas Mayer warnte vor den schlechten Wirtschaftsdaten Frankreichs. Mayer, bis 2012 Chefvolkswirt und heute Berater der Deutschen Bank, sagte der „Welt am Sonntag“: „Allein auf der Basis der Fundamentaldaten betrachtet könnten französische Finanzwerte mit höheren Risikoaufschlägen als italienische bewertet werden.“ Wegen seines großen Einflusses auf die europäische Politik störe sich der Markt jedoch wenig daran. Für Frankreich selbst sei dies aber fatal, es fehle der unverzichtbare Druck der Märkte für Reformen.

Mayer hat die Leistungsbilanzsalden, die Staatsverschuldung, die Budgetdefizite und die Größe des Bankensektors analysiert. Frankreich hat demnach erheblichen Nachholbedarf in beinahe allen Bereichen außer bei der Größe seines Bankensektors, der nur leicht über dem Durchschnitt im Euro-Raum liege.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • wenn hier 0,1% Wachstum geschrieben wird, sinds garantiert -3% real, aber was solls.
    Eh Nonsens, da "Wachstum" auch durch Inflation erzeugt werden kann. Einfach mit 10% inflationieren, schon haben wir 10% Wachstum. Da kann man mal den Schwachsinn dieser Zahlen erkennen - oder auch nicht, wenn man nicht richtig rechnen kann

  • Die Regierungen in den Krisen geschüttelten Ländern müssen nach den Vorstellungen in Brüssel, getreu dem Eurowahnsinn, die Einkommen der Bevölkerung drastisch senken. Diese Einsparungen sollen für ein florierendes Wirtschaftswachstum sorgen. Weil die Kaufkraft nachhaltig geschwächt wird, wird auch die Volkswirtschaft zunehmend schrumpfen. Die Binnenwirtschaft ist besonders betroffen. Folglich schwinden auch die Steuereinnahmen erheblich.

    Immer wieder wird fälschlicher Weise propagiert, dass die Einkommen zu kürzen sind, um die Staatsausgaben zu senken und um die Wirtschaft anzukurbeln. Das ist ein Trugschluss, wie oben zu lesen ist.

    Die andere Möglichkeit besteht darin, eine nationale Währung einzuführen.
    Aus einer schwächeren Währung heraus, lassen sich jedoch Produkte wettbewerbsfähiger herstellen. Zudem würde eine abgewertete Währung den Tourismus in den Südländern zunehmend ankurbeln. Mit dem Wechselkurs können krasse „Wirtschaftsflanken“ ausgeglichen werden, in dem die Währung mit dem entsprechenden Wechselkurs blitzschnell auf- oder abgewertet wird.

    Das Einkommen der Bevölkerung (Gehälter, Diäten, Pensionen oder Renten z.B.) lassen sich nicht in der erforderlichen Schnelligkeit anpassen, wie das mit den Wechselkursen möglich ist. Die schwächere Währung kann mittels variablen Wechselkurs jederzeit den wirtschaftlichen Verhältnissen angeglichen werden. Die Wechselkurse der nationalen Währungen gleichen sich permanent dem Wirtschaftswachstum an.

    Jetzt besteht die Frage, warum wurden die nationalen Währungen der betroffen Länder nicht schon längst wieder eingeführt. Die Antwort liegt bei den Banken. Die Politik folgt immer dem Kapital. Erst wenn die Wirtschaft völlig am Boden liegt, wird neu gestartet, wie auch immer.

    Die AfD will dem Treiben ein Ende setzen. Die Rettungsschirme gehören endlich abgeschafft. Jeder Cent (Pfennig) was gen Süden fliest fehlt der deutschen Bevölkerung.

  • "Konjunkturprognose": Lächerlich. Eher in der neuen VWL sollte all das heißen: Entschuldungsprognose. Je höher jährlich desto erfolgreicher die (immer noch nationale, noch immer nicht EU-weite...) Volkswirtschaft!

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