Überzogene Ängste:
Als Luíz Inácio Lula da Silva im Januar 2003 seine Präsidentschaft antrat, fürchteten ausländische Investoren, er werde Brasilien einen linkspopulistischen Kurs verordnen. Das Land stand kurz vor einer Verschuldungskrise, wie sie Argentinien gerade erlebt hatte. Doch Lula überraschte die Finanzmärkte: Er ließ den Hochzinskurs der Zentralbank unangetastet und verschärfte sogar noch den haushaltspolitischen Sparkurs.
Reiche Ernte:
Weil Lula die Stabilitätspolitik seines konservativen Vorgängers Fernando Cardoso fortsetzte, blieb die Inflationsrate vergleichsweise niedrig, die Risikoaufschläge auf brasilianische Anleihen sanken schnell. Die Kontinuität in der Geld-, Fiskal- und Wirtschaftspolitik wurde belohnt: Lula konnte die Früchte von Cardosos in den 90er-Jahren eingeleiteter Privatisierungspolitik und der Öffnung des brasilianischen Marktes ernten. Der frühere Arbeiterführer hatte allerdings auch Glück. Zu Hilfe kam ihm der Wirtschaftsboom in Fernost, der einen rasanten Nachfrageanstieg nach Rohstoffen auslöste. Brasilien stieg zum wichtigsten Soja- und Eisenerzlieferanten Chinas auf.
Starkes Rückgrat:
Die internationale Finanzmarktkrise hat Brasilien bislang nicht spürbar geschwächt. Die Konsumlust der Bevölkerung wächst, die Investitionen nehmen zu. Brasiliens Banken sind nicht im Ausland verschuldet. Wegen der steigenden Lebens- mittel- und Energiepreise ist die Inflation aber wieder gestiegen. Die Notenbank reagierte mit einer Zinserhöhung.


