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Wachstumsaussichten: Asien wächst trotz Euro-Krise kräftig

In Europa und Amerika schwächelt die Konjunktur, Asien und vor allem China werden von der Schuldenkrise aber kaum Notiz nehmen, sind Ökonomen sicher. Denn zur Krisenbekämpfung haben die Staaten noch reichlich Munition.

Chinas Wirtschaft dürfte trotz Schuldenkrise weiter kräftig wachsen. Quelle: dpa
Chinas Wirtschaft dürfte trotz Schuldenkrise weiter kräftig wachsen. Quelle: dpa

DalianFührende Experten erwarten, dass Asien trotz der fortgesetzten Krise des Westens stark wächst. „Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass die Region die Schwäche des Westens abschüttelt“, sagt Nariman Behravesh, Chefökonom des Informationsdienstleisters IHS. Die großen Volkswirtschaften wie China und Indien haben noch Reserven, um die Konjunktur weiter zu beleben. Zudem sei der Handel der asiatischen Länder untereinander bereits so stark, dass er zumindest einen Teil der Exportausfälle ausgleichen könne.

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Vor allem für die weltweit führende Wachstumswirtschaft China erwarten Ökonomen des Privatsektors in den kommenden Jahren eine weiter robuste Entwicklung. „Peking hat noch reichlich Möglichkeiten, die Konjunktur anzuregen“, sagt Jing Ulrich, Chefin der Marktsparte von JP Morgan China. Derzeit zeichne sich bereits ab, dass die Zentralbank von einer Straffung der Geldpolitik auf eine neutrale Haltung umschwenke. Die Pflichtreserven der Banken bei der Zentralbank sind seien in China viel höher also in anderen großen Volkswirtschaften. Eine Teilfreigabe des so blockierten Geldes würde zur Vergabe vieler neuer Kredite führen. Das schaffe Arbeitsplätze und Nachfrage.

Für das laufende Jahr erwartet Ulrich ein Wachstum von 8,9 Prozent in China. Im kommenden Jahr sollen es immer noch 8,5 Prozent sein, obwohl die Regierung fest entschlossen ist, die heiß gelaufene Wirtschaft langsam abkühlen zu lassen. Eine harte Landung sei dagegen nicht zu befürchten, während die weiche Landung bereits begonnen habe: Der Automarkt ist in diesem Jahr bisher nur um drei Prozent gewachsen statt 40 Prozent wie im vergangenen Jahr. „Das zeigt eine willkommene Dämpfung der überhitzten Konjunktur“, so Ulrich von JP Morgan.

Nach Ansicht der Wirtschaftsexperten, die zurzeit am World Economic Forum in Dalian teilnehmen, setzt sich das Wachstum Asiens auch in den kommenden Jahren fort – selbst wenn die USA und die EU in der Dauerkrise verharren. Mit acht bis neun Prozent durchschnittlichem Wachstum für China und Indien rechnet etwa Johnny Chen, Asienchef der Zurich Insurance Group. Auch Pratip Chauhuri, Chef der State Bank of India, sieht sein Land trotz West-Krise auf dem richtigen Weg. Wenn die Zentralbank jetzt die Geldpolitik wieder lockere, dann werde auch das Wachstum wieder steigen – getrieben von Investitionen und Konsum im Inland statt wie bisher vom Export.

Einigkeit herrscht jedoch auch darüber, dass sich das Wachstum nicht ewig mit billigem Geld anfeuern lässt. „Langfristig muss das Wachstum wieder von Produktivitätsfortschritten und der Demographie kommen“, sagt IHS-Ökonom Behravesh. Gerade in Asien besteht in beiden Bereich noch enormes Potenzial: Indiens Bevölkerung wächst schnell, während Chinas arbeitsintensive Wirtschaft ihre Produktivität relativ problemlos um sieben bis acht Prozent im Jahr steigern kann. Deshalb sei es „fast schade“, dass das Wachstum in Asien derzeit von der Vergabe so viel frischen Geldes durch die Regierung getrieben ist – mit allen ihren Gefahren wie Inflation oder Überinvestitionen.

Die Ökonomen geben der chinesischen Regierung überwiegend gute Noten für ihre aktuelle Wirtschaftspolitik. Am Mittwoch hatte Premier Wen Jiabao einen Überblick gegeben, wie Peking mit der Zuspitzung der Lage in Amerika und Europa umgehen will: Möglichst stabile Verhältnisse für die Binnenwirtschaft schaffen, das Sozialsystem und den Verbrauch stärken, selbst mehr im Ausland investieren und immer bessere Produkte anbieten. „Premier Wen hat klar gemacht, dass er sein Haus in Ordnung halten will“, sagt Chen. Der Fokus liege auf gleichmäßiger, konsequenter Entwicklung – und das sei der richtige Weg.

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