Während EU noch berät
USA verschärfen Frachtkontrollen

Beim Thema Luftsicherheit rücken weltweit einheitliche Regeln in immer weitere Ferne. Während die USA als Reaktion auf die jüngsten Sprengstoffpakete aus dem Jemen bereits mit schärferen Kontrollen für Flüge nach Nordamerika vorgeprescht sind, hecheln die EU-Länder hinterher.
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NEW YORK. Die Innenminister der EU brüten zwar seit Tagen über dem Thema, benötigen zur Abstimmung unter den 27 Ländern aber noch Zeit. Ein Fünf-Punkte-Plan soll bis Weihnachten unter anderem erhöhte Sicherheit in den Lieferketten gewährleisten sowie eine schwarze Liste von Drittstaatenflughäfen hervorbringen, deren Frachtlieferungen künftig strenger überprüft werden müssten. Die deutsche Seite warnt dabei vor zu viel Bürokratie für Frachtunternehmen sowie vor steigenden Kosten auch für Verbraucher. Sicherheit gebe es nicht umsonst, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Forderungen aus den USA, künftig jedes einzelne Frachtstück zu röntgen, hält man in Europa aus Kostengründen für abwegig.

Dennoch: Die USA machen Druck. In einem ersten Schritt hat die Chefin der Heimatschutzbehörde, Janet Napolitano, bereits weitere "Hochrisiko-Fracht" aus den Passagierflugzeugen verbannt. Dazu sollen neben Flüssigkeiten künftig auch Druckerpatronen und Toner gehören, die mehr als ein Pfund wiegen. Um Terroristen nicht zu informieren, was sonst noch auf der Verbotsliste stehe, werde der Begriff "Hochrisiko-Fracht" nicht näher erläutert, hieß es in Kreisen des Heimatschutzministeriums. Die neuen Sicherheitsmaßnahmen dienten dem Ziel der USA, "dem Feind zuvorzukommen", sagte Napolitano. US-Fluglinien kommentierten die verschärften Richtlinien brav: "Wir unterstützen die Ziele des Ministeriums, die Sicherheit bei Frachttransporten zu erhöhen", sagte eine Sprecherin des Weltmarktführers Fedex.

Deutsche Branchenvertreter warnen derweil vor übereilten Maßnahmen zulasten der Luftfrachtindustrie: "Wir sind von der Qualität unseres Sicherheitssystems überzeugt und sehen keinen Anlass zu Schnellschüssen, bevor nicht abschließend geklärt ist, wie im aktuellen Fall Sprengstoff unentdeckt in Flugzeuge gelangen konnte", erklärte Harald Zielinski, Sicherheitschef der führenden europäischen Frachtfluglinie Lufthansa Cargo.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

Kommentare zu " Während EU noch berät: USA verschärfen Frachtkontrollen"

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  • Das müssen wir auch verstehen.
    Frau Merkel muß erst mal einen Gipfel einberufen und anschleißend gibt es eine Arbeitsgruppe.
    Das geht alles nicht so schnell

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