Währung auf Tiefstand : Blutige Arbeitskämpfe lähmen Südafrika

Währung auf Tiefstand
Blutige Arbeitskämpfe lähmen Südafrika

Seit Monaten erschüttern gewalttätige Arbeitskämpfe Südafrika. Nun stehen die Parteitage der Regierungspartei ANC und der Opposition DA an. Ausgerechnet DA-Chefin Zille befürchtet von einer „Anarchie“ in ihrer Provinz.

KapstadtZum Ritual südafrikanischer Proteste gehören Gesang, Tanz und Knüppel. Auch bei den Streiks der Landarbeiter in der Provinz Westkap sind viele Demonstranten mit Stöcken und Stangen bewaffnet. „Marikana hat die Farmen erreicht“, jubelte der Gewerkschaftsverband Cosatu – Marikana steht für den blutigsten Arbeitskampf der jungen südafrikanischen Demokratie. Bei den Platinminen im Norden des Landes erschossen Polizisten im August 34 Streikende, militante Arbeiter töteten Sicherheitsleute und angebliche Streikbrecher.

Noch ist die Lage in der Provinz Westkap weniger dramatisch. Dennoch warnte Ministerpräsidentin Helen Zille in ihrer Not vor einer drohenden „Anarchie“ und forderte von Präsident Jacob Zuma die Entsendung der Armee in die Kap-Region. Denn seit Monaten toben hier blutige Proteste und Arbeitskämpfe. Mal geht es um fehlende Toiletten, mal um die Müllabfuhr, dann wieder um Löhne und Taxitarife.

Fast täglich brennen auf den Straßen Reifen und Barrikaden. Polizisten gehen regelmäßig mit Tränengas und Gummigeschossen gegen zornige Demonstranten vor – diese Woche dann in dem Örtchen Wolseley nahe Kapstadt auch mit scharfer Munition. Ein 28-Jähriger wurde tödlich getroffen, mindestens fünf andere Menschen wurden verletzt.

„Es ist recht ungewöhnlich, dass nur eine Person gestorben ist“, kommentierte Zille, die auch Chefin der Demokratischen Allianz (DA) ist. Eine Woche vor dem Parteitag der stärksten Oppositionspartei in Johannesburg sieht sich die deutsch-stämmige Politikerin in der einzigen DA-Hochburg Südafrikas mit kaum zu bändigenden Unruhen konfrontiert. Schon lange beschuldigt die DA die Regierungspartei ANC, alles zu tun, um die wirtschaftlich besonders erfolgreiche Provinz am Kap „unregierbar“ zu machen.

Die jüngsten Proteste bedrohen nun manche der blühenden Farmen und berühmten Weingüter am Kap – vor allem aber zeigen sie das aktuelle Dilemma Südafrikas. Das einzige Schwellenland Afrika befindet sich nach monatelangen Arbeitskämpfen wirtschaftlich in der Defensive. Deutlich ist das am Tiefstand der Währung Rand seit drei Jahren abzulesen. Afrikas größte Volkswirtschaft wird 2012 laut des Finanzministeriums wohl nur um 2,5 Prozent wachsen; 2011 waren es noch 3,1 Prozent.

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Die Mindestlöhne sind erbärmlich niedrig

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