Währungsfonds zögert mit Kreditrate
Die EU rutscht immer tiefer in die Griechenland-Krise

Der IWF verlangt von der EU neue Zusagen für Athen - sonst komme die nächste Kreditrate nicht. Dann müsste die EU erst recht einspringen, wird es aber nicht, warnt Jean-Claude Juncker. Athen ruft einen Krisengipfel ein.
  • 35

Washington/AthenDer Internationale Währungsfonds hat angekündigt, dem hochverschuldeten Griechenland kein weiteres Geld zu leihen, solange er von den EU-Partnern keine finanziellen Zusicherungen erhalte. Das sagte am Donnerstag eine IWF-Sprecherin in Washington. Offenbar macht sich die internationale Institution Sorgen um mittelfristige Finanzierungslücken. „Wir leihen nie Geld, solange wir nicht sicher sind, dass es keine Lücke geben wird“, sagte die Sprecherin. „Damit schützen wir das Geld unserer Mitglieder.“

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker signalisierte bereits Zweifel daran, dass die nächste Tranche der Hilfskredite des IWF an Griechenland wie geplant Ende Juni ausgezahlt werden kann. Die Bedingungen für eine Auszahlung von Krediten des IWF sei womöglich nicht erfüllt, sagte er auf einer Konferenz in Luxemburg. Der Fonds könne nur tätig werden, wenn über zwölf Monate eine Refinanzierungsgarantie der Kredite bestehe. Dies sei womöglich aber nicht der Fall.

„Wenn die Europäer zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Auszahlung vom IWF am 29. Juni nicht operativ gestaltet werden kann, ist die Erwartung des IWF, dass dann die Europäer an die Stelle des IWF treten müssen und den Ausfall des IWF-Finanzierungsanteils auf ihre Kappe nehmen müssen“, sagte er. Doch dies sei wiederum voraussichtlich wegen fehlender Bereitschaft der Parlamente in Deutschland, den Niederlanden und Finnland nicht möglich.
Die Aussagen Junckers schreckte die Finanzmärkte auf. Der Euro verbilligte sich deutlich. Viele Investoren flüchteten in den sicheren Hafen Bundesanleihen.

Eine Delegation von EU, IWF und Europäischer Zentralbank prüft derzeit in Athen, ob Griechenland die Voraussetzungen für die im Juni anstehende Kredittranche über zwölf Milliarden Euro erfüllt. Sollte das Geld nicht fließen, droht der Regierung die Zahlungsunfähigkeit. Sie hat in den kommenden Wochen einen Finanzbedarf von 13,4 Milliarden Euro.

Die IWF-Sprecherin nannte eine Reihe von Zusicherungen, die nötig seien: Sie beträfen die fiskalpolitischen Pläne der Regierung in Athen wie auch Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums. Auch gehe es um den Verkauf von Staatsvermögen, „und schließlich darum, welche Finanzen vorhanden sind, inklusive unserer Beiträge“, sagte sie.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sagte, der IWF werde neue Hilfen nur genehmigen, wenn Griechenland seine Versprechen einlöse und die Staatsfinanzen unter Kontrolle bringe. Die Regierung selbst verlange „harte Sicherheiten“ für Hilfen, sagte Rutte in einem auf der Internet-Plattform Youtube veröffentlichten Video. Griechenland hätte 300 Milliarden Euro in Flughäfen, Fluglinien, Eisenbahnlinien und Zementfabriken.

Im Ringen um die Hilfsgelder erhöht Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou den Druck auf die Opposition, die die von den internationalen Partnern geforderte Verschärfung des Sparkurses bislang nicht unterstützt. Für Freitag lud der Regierungschef die politischen Rivalen zu einem Treffen ein, das von Staatspräsident Karolos Papoulias geleitet werden soll. Die größte Oppositionspartei, die Christdemokraten, sagte die Teilnahme ihres Vorsitzenden Antonis Samaras zu.

Die EU dringt auf einen überparteilichen Konsens, damit die im Gegenzug für neue Hilfskredite vereinbarten Zusagen im Falle eines Regierungswechsel nicht neu verhandelt werden müssen. In den ebenfalls hoch verschuldeten Krisenländern Portugal und Irland war dies gelungen.

Die bereits eingeleiteten Reformen werden dem IWF zufolge erst in Jahren ihre Wirkung entfalten. „Man muss bei der griechischen Neuausrichtung von einer zehnjährigen Anpassung ausgehen“, sagte Chefvolkswirt Olivier Blanchard. „Ich wäre überrascht, wenn wir während dieser zehn Jahre sicher sein könnten, dass dies auch wirkt.“

Die Warnungen vor einem Schuldenerlass für Griechenland nahmen unterdessen zu. „Der Gedanke, dass eine Umschuldung eine Art Zauberformel sein könnte, ist nicht richtig“, sagte der IWF-Chefvolkswirt Blanchard. „Eine Umschuldung birgt immer auch das Risiko einer Ansteckung.“ Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Bundesbankchef Jens Weidmann und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sehen das ähnlich. Schäuble sprach von hohen Risiken für das Finanzsystem, deren Ausmaß kaum abgeschätzt werden könnten. Renommierte Ökonomen halten einen teilweisen Forderungsverzicht der Gläubiger dagegen für unvermeidlich.

"Es könnte dazu kommen, dass sofort alle Kredite fällig gestellt würden - mit dementsprechenden Konsequenzen für die griechische Zahlungsfähigkeit", sagte Schäuble im Handelsblatt. Nach Einschätzung von Fachleuten könnten die Folgen daraus noch katastrophaler sein als der Zusammenbruch von Lehman Brothers, der im September 2008 die weltweite Finanzkrise auslöste, fügte er hinzu.

Kommentare zu " Währungsfonds zögert mit Kreditrate: Die EU rutscht immer tiefer in die Griechenland-Krise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Korrekt! Die Droge heisst REALITÄT. Der Rest wird genauso aus allen Wolken fallen wie weiland 1914, 1929, 1933 und 1989. Dann kann man sich vor die KNOPP-Kamera hocken und ganz traurig glotzend stammeln "...abba abba das hat ja keiner AHNEN können das das soo schlimm wird..." Seit 2003 als hier im Handelsblatt Finanzverräter Eichel von Bad Banks palaverte war klar wohin die Reise geht.

    Letztlich ist es auch einerlei. Die Einen werden profitieren, die Anderen ..nuja Landleben is doch Mode zur Zeit...

  • Wer definiert denn den Standard ? Und was ist Qualität ? Wahrscheinlich nur das, was Ihrer Meinung entspricht- alles andere ist lt. Ihrer Aussage " Unsinn ".
    Menschen, die aufgewacht sind, werden eben manchmal wütend, wenn sie sehen, wohin die Reise geht. Wahrscheinlich ist Ihnen das entgangen, aber selbst hier beim Handelsblatt steigt die Quote derer an, die aufgewacht sind und die " Verschwörungstheorien " mal objektiv überprüft haben. Will sagen, es ist mittlerweile die Mehrheit.
    In naher Zukunft werden auch die Politiker und heuchlerischen Medien das massiv zu spüren bekommen- die rosarote Brille wird da auch nichts helfen.
    Und auch Diffamierungen von anderen Kommentatoren, die hier mit der Nazikeule kommen ( " Arbeitsgruppe Viertes Reich " ) haben ihre Wirkung verloren.
    Denn diese Leute sehen nicht einmal, was die EU eigentlich ist, bzw. wohin die Reise geht. Sie wissen auch nicht, daß die EU bereits in den 50er Jahren von ehemaligen Nazigrößen, u.a. Prinz Bernhard der Niederlande, ehemaliger SS- Offizier, geplant wurde.
    Quelle : http://infokrieg.tv/wordpress/2010/11/12/nazi-grosen-planten-4-reich-das-der-struktur-der-eu-entspricht/
    Die EU ist das Vierte Reich ! Wer ist jetzt ein Nazi- Anhänger ? Die Gegner oder Befürworter der EU ?

    Übrigens : Die Bilderberger- Konferenz ( erstmalig geleitet und gegründet von Prinz Bernhard im Jahre 1954 ) findet vom 09. bis 12. Juni 2011 im Suvretta Hotel in St. Moritz, Schweiz statt.
    Wer die " Verschwörungstheorien " nicht glauben mag, kann ja hinfahren und sich selbst davon überzeugen, ob es sich hier um einen Mythos handelt.

  • Für mich war immer folgendes unklar: D ist die größte Volkswirtschaft in der EU, aber Einknickmerkel lässt sich von Sarko über den Tisch ziehen, wo es nur geht. Merkel kann nicht deutsche Interessen vertreten, wie es die Franzosen können. Da kann man nur auf die NL oder Finnland hoffen, denn von den Deutschen kommt nichts, um dem Euro-Spuk ein Ende zu setzen. Nur im Zahlen ist D führend. Und immer wird das Handeln begründet " es gäbe eine "Eruption" an den Finanzmärkten". Wie würden diese Märkte reagieren, wenn Hunderttausende Steuerzahler der Geberländer gegen Euro, EU in dieser Form und korrupte Politiker demonstrieren? Da waäre der "Flächenbrand" doch noch größer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%