Währungspolitik
EZB-Präsident Trichet rüffelt USA und China

Von einem "Währungskrieg" will EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nicht sprechen. Gleichwohl bereitet ihm der Streit über die Abwertung des Dollar Sorge. Doch wie ein neues Weltwährungssystem aussehen könnte, sagte er nicht. Den Vorschlag der Weltbank für einen neuen Goldstandard ließ es denn auch unkommentiert stehen.
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HB BASEL. Niemand wolle eine Weichwährungspolitik zugunsten der heimischen Wirtschaft betreiben, sagte Trichet am Montag nach einem Notenbankertreffen bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Der Dollar steht wegen der weiteren Lockerung der US-Geldpolitik seit Tagen unter Druck.

Zuletzt hatte es deshalb Kritik unter anderem von China und Deutschland an den Vereinigten Staaten gegeben. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) sagte, allen Beteiligten sei klar, dass hohe Schwankungen an den Devisenmärkten schlecht für Wirtschaftswachstum und Wohlstand seien. Den Begriff "Währungskrieg", wie er zuletzt vor allem von vielen Schwellenländern benutzt worden war, lehnt Trichet ab.

Über den Vorschlag von Weltbank-Präsident Robert Zoellick in Richtung eines neuen Goldstandards sei bei dem Treffen nicht gesprochen worden. Zoellick hatte angesichts der anhaltenden Turbulenzen ein neues Weltwährungssystem ins Gespräch gebracht, das auf dem Goldpreis aufsetzen könne. Der alte Goldstandard des Nachkriegssystems von Bretton Woods war in den 70er Jahren gescheitert.

Trichet sagte, es sei bekannt, dass in den USA von Zeit zu Zeit über solche Ideen nachgedacht würden. Er werde sie nicht kommentieren. Das Währungsthema steht am Donnerstag und Freitag beim G20-Gipfel in Seoul ganz oben auf der Agenda.

Zoellick erklärte am Montag in der "Financial Times" (FT), ein neues Währungssystem würde "vermutlich den Dollar, den Euro, den Yen, das Pfund und den Yuan umfassen und sich in Richtung Internationalisierung bewegen." Es sollte auch überlegt werden, den Goldpreis als internationalen Referenzwert der Markterwartungen für Inflation, Deflation und künftige Währungsbewertungen zu installieren, sagte Zoellick.

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