Währungspolitik
Peking verbittet sich jede Einmischung

Die chinesische Öffentlichkeit reagiert empört, aber auch ein wenig verwundert auf Versuche der USA, Druck auf die eigene Regierung auszuüben. Volk und Regierung sind sich in ihrer klaren Ablehnung der US-Forderungen einig. Warum der Führung in Peking wenig anderes übrig bleibt, als in der Frage der Yuan-Aufwertung hart zu bleiben.
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PEKING. „Amerika handelt unverantwortlich“, schreibt eine Internetnutzerin in einem Forum des Website Finance.sina.com. „Hinter den Angriffen steht der Versuch, die eigene Krise auf uns abzuwälzen.“

Ein anderer Diskussionsteilnehmer fordert eine Änderung der Reservepolitik als Reaktion auf die scharfen Töne aus Washington: Peking soll den Amerikanern nicht länger das Haushaltsdefizit finanzieren – dann würden sie schon sehen, wo sie ohne China stünden. „Wir sollten das Geld, mit dem wir bisher amerikanische Staatsanleihen kaufen, lieber in den einheimischen Konsum stecken“, empfiehlt er.

Das Volk befindet sich mit seiner klaren Ablehnung der US-Forderungen auf einer Linie mit der Staatsführung. Auch Premier Wen Jiabao hat im Vorfeld seines Treffens mit US-Präsident Barack Obama heute in New York klar gemacht, dass Druck und laute Töne aus Washington nur eines bewirken: Das Gegenteil dessen, was die Amerikaner wollen.

„Der Yuan ist nicht unterbewertet“, sagte Wen. Sein Land setze die Währungspolitik fest, ohne sich hineinreden zu lassen, stellte der Regierungschef kürzlich klar. Regierungsvertreter wiesen zudem darauf hin, dass die Amerikaner die Masse der Waren aus China völlig freiwillig kaufen und großen Nutzen aus den günstigen Preisen ziehen.

Der Führung in Peking bleibt wenig anderes übrig, als in der Frage der Yuan-Aufwertung hart zu bleiben. Trotz seines rasanten Aufstiegs ist China immer noch ein Schwellenland, der Durchschnittseinkommen liegt bei einem Zehntel des deutschen Wertes. Die einheimische Industrie arbeitet zudem mit extrem dünnen Margen. Eine plötzliche Freigabe des Yuan würde das Wachstumsmodell zerstören, das großen Bevölkerungsschichten aus der Armut hilft.

Auf China besonders abschreckend wirkt das Beispiel Japans: Nachdem Tokio Mitte der 80er-Jahre auf Druck der USA den Yen freigegeben hatte, flossen Spekulationsmilliarden ins Land und brachten die Wirtschaft aus dem Lot.

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  • China ist in der Falle. Eigentlich mussten sie den Yuan erhöhen, um langfristig den binnenmarkt zu stärken, der noch weiter an bedeutung verloren hat in der Krise. Doch das bedeutet niedrigeres Wachstum für einige Jahre. Das aber kann sich die chinesische Führung nicht leisten, denn ihre Macht beruht auf Nationalismus und einer boomenden Wirtschaft.

    Also bleibt der Yuan unterbewertet, auch wenn der Export bei weitem nicht mehr so stark wächst wie vor der Krise und es wird weiter kräftig gebaut, um die immobilienblase und somit auch das hohe Wachstum aufrecht zu erhalten. Für die Spekulationsmillarden sorgen chinesischen Staatsbanken und der Staat, schon längst die chinesische Wirtschaft aus dem Lot.

  • WARUM muss ein Land wie China wirklich solche Exportsalden haben, obwohl es im inland so viel bedarf gäbe?

    Es sind die irrsinnigen monetären Sparquoten und nichts anderes - gleiches Problem bei den Chinesen
    und den Deutschen. Dass sind die zwei großen "Horternationen", deren Verhalten nun den angeschlagenen USA, der Rest-EU und den Japanern auf die Füße fallen wird - dass wird jetzt ein Dauerthema - versprochen!

    http://www.global-change-2009.com/blog/guthabenwachstum-schuldenwachstum/2010/09/

  • Die Reaktion der Chinesen ist immer dieselbe, "Empörung" und "Verwunderung"! Dabei veräppeln die Chinesen uns doch bloß und fühlen sich ertappt!

    Aber wir sind es ja selbst schuld, da wir ja deren unnützen, billigen Plastikmüll kaufen wie die irren!

    Und die deutschen Firmen, die vor ein paar Jahren denen der Sabber wegen der Vorfreude auf eine Produktionsverlagerung in das billige Produktionsland China aus dem Mund lief, haben ihre Erfahrungen denke ich mittlerweile auch gemacht, siehe Patentdiebstahl, etc.

    Aber man kann es den Chinesen ja nicht verübeln, die wollen ja nur ihre 1Mrd. Menschen satt und glücklich machen!!!

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