Währungsstreit
China wertet auf, USA warten ab

Anscheinend wertet China den Yuan nun doch schneller auf, als bisher erwartet. Die USA warten derweil ab und verschieben einen Bericht, in dem Peking möglicherweise offiziell der Wechselkursmanipulation beschuldigt worden wäre.
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HB WASHINGTON. Zeichen der Entspannung im zuletzt verschärften Währungsstreit zwischen den USA und China: Nach Ansicht von US- Finanzminister Timothy Geithner beschleunigt Peking seit Anfang September die Aufwertung des Yuan. Bleibe Peking bei diesem Kurs, „könnte damit eine aus Sicht des Internationalen Währungsfonds IWF erheblich unterbewertete Währung korrigiert werden“, teilte das Finanzministerium am Freitag in Washington mit.

Zugleich wurde die Vorlage eines US-Regierungsberichts zur Währungspolitik Chinas verschoben, in dem Peking möglicherweise der Wechselkursmanipulation beschuldigt worden wäre. Die Veröffentlichung war bereits im April auf Eis gelegt worden.Vor einer Entscheidung, ob China in dem Halbjahresbericht erstmals seit 1994 offiziell der Manipulation von Wechselkursen bezichtigt werde, sollten noch einige internationale Treffen abgewartet werden, erklärte das Finanzministerium in Washington am Freitag. Vor allem die anstehenden Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) böten Gelegenheit für eine Annäherung in dem Streit. Die G20-Finanzminister bereiten am 22. Oktober das Gipfeltreffen der Staatengruppe am 11. November in Südkorea vor.

Die USA werfen der Regierung in Peking seit langem vor, ihre Landeswährung künstlich niedrig zu halten und so den Exporteuren Vorteile im Welthandel zu verschaffen. Wenn das Finanzministerium China auf seine Liste mit Staaten aufnimmt, die den Kurs ihrer Landeswährung manipulieren, könnte dies Strafzölle gegen China den Weg ebnen und den Streit eskalieren lassen. Als kleines Zugeständnis Chinas gilt allerdings die jüngste Aufwertung des Yuan: Die chinesische Währung stieg am Freitag erneut auf ein Rekordhoch. Seit Juni, als die Regierung in Peking die Bindung an den Dollar gelöst hatte, hat der Yuan damit 2,79 Prozent an Wert gewonnen.

Das US-Finanzministerium wolle unter anderem auf dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchef der 20 größten Wirtschaftsmächte (G20) in einer Woche sowie auf der G20-Konferenz der Staats- und Regierungschefs im November in Südkorea das Wechselkursthema weiter erörtern. Aus diesem Grund habe man sich entschlossen, die Veröffentlichung des Währungsreports zu verschieben.

China will aus Rücksicht auf seine Exportindustrie und wegen seines noch unzureichend entwickelten Währungssystems den Yuan nur schrittweise aufwerten. Auch die Europäische Union und der IWF halten die chinesische Währung für unterbewertet.

Peking hatte zwar Mitte Juni angekündigt, die Dollarbindung seiner Währung zu lockern. Seitdem hat der Yuan gegenüber dem Dollar laut US-Finanzministerium lediglich um rund drei Prozent zugelegt. Chinas Premierminister Wen Jiabao hatte unlängst gewarnt, wenn sein Land den Yuan um 20 oder 40 Prozent aufwertete, müssten viele Fabriken schließen, und unter der Bevölkerung würde Unruhe ausbrechen.

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