Währungsstreit
Iran rechnet Öllieferungen nicht mehr in Dollar ab

Indien und Iran befinden sich in einem handfesten Währungsstreit: Die Regierung in Teheran weigert sich, von Indiens Unternehmen weiter Zahlungen in Dollar oder Euro für sein Erdöl anzunehmen und begründet den Schritt mit internationalen Sanktionen gegen das eigene Land. Doch nun lässt sich Indien nur noch auf Kredit mit iranischem Öl beliefern.
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BERLIN. Im Streit über die künftige Bezahlung für Rohöl steht es zwischen Iran und Indien vorerst eins zu eins. Die indischen Ölkonzerne Indian Oil und Hindustan Petroleum gaben am Dienstag bekannt, dass sie zunächst auf Kredit mit iranischem Rohöl beliefert werden. Die Vereinbarung, die nach Angaben der Agentur Bloomberg zunächst für 90 Tage getroffen wurde, gilt als Kompromiss. Denn bei dem Zwist geht es um einen handfesten Währungsstreit mit Signalwirkung.

Die Regierung in Teheran weigert sich, von Indiens Unternehmen weiter Zahlungen in Dollar oder Euro für sein Erdöl anzunehmen. Bisher hatten die indischen Käufer, die täglich 400 000 Barrel (je 159 Liter) iranisches Rohöl abnehmen, jährlich zwölf Milliarden Dollar an Iran überwiesen. Damit soll nun Schluss sein. Denn aufgrund der immer härteren Sanktionen des Uno-Sicherheitsrates wegen des iranischen Atomprogramms will Teheran seinen Handel künftig nicht mehr in Dollar abwickeln. Denn die USA haben den iranischen Dollar-Zahlungsverkehr empfindlich erschwert.

Zunächst hatte Teheran deshalb auf Euro umgestellt. Doch auch das ist nun vorbei: "Um Amerikaner und Europäer davon abzuhalten, unserem Ölhandel Probleme zu bereiten, haben wir die Zahlungen auf japanische Yen, Dirham aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und andere Währungen umgestellt", sagte Irans Vize-Ölminister Ahmad Chaledi.

Das aber ist im Rahmen der Asian Clearing Union (ACU) nicht möglich. Der in Abu Dhabi ansässigen Organisation gehören neben Indien, Pakistan und Iran zahlreiche kleine asiatische Länder an. Die ACU wickelt aber bislang den Zahlungsverkehr zwischen diesen Ländern nur in Dollar und Euro ab.

US-Druck auf Delhi führte zum Streit

Interessant ist der iranisch-indische Zwist, weil Delhi für Teheran wirtschaftlich und politisch in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden war. So wollte sich der zweitgrößte indische Ölkonzern ONGC Videsh vor der jüngsten Sanktionsrunde bei der Erschließung des Farzad-B-Ölfeldes mit Investitionen in Höhe von 5,5 Milliarden Dollar weiter engagieren. Auch eine Verlängerung der bisher zwischen Iran und Pakistan geplanten "Freundschafts-Pipeline" nach Indien wird weiter diskutiert.

Bei diesen Plänen ist der jüngste Streit sehr hinderlich. Vor allem, da er ganz offensichtlich nach einer Intervention aus den USA zustande kommt: "Keine Frage, Indien agiert unter dem Druck anderer Länder", erklärte das indische Außenministerium laut eines Berichts von "Arab News", ohne die USA namentlich zu erwähnen. US-Präsident Barack Obama war zuletzt im November in Indien.

Bemerkenswert ist, dass Indien nun ein Ausweichen auf andere Währungen verweigert, weil die anderen iranischen Hauptölkunden sich anders verhalten: China und Japan wickeln ihre Ölkäufe bei der National Iranian Oil Company (NIOC) über Europa ab. Südkorea verrechnet seine Ölkäufe in Iran mit eigenen Warenlieferungen dorthin. Das ist wegen des großen Handelsbilanz-Ungleichgewichts Indiens mit Iran aber zwischen diesen beiden Ländern nicht möglich.

ÖLREICHTUM

Lieferant Erdöl ist Irans wichtigste Einnahmequelle. Das Land ist der zweitgrößte Förderer des Ölkartells Opec und verfügt nach Angaben des Konzerns BP über 137,6 Millionen Barrel (je 159 Liter) oder 10,3 Prozent der weltweiten Reserven. Mit einer Tagesproduktion von 4,2 Millionen Fass trägt das Land 5,3 Prozent zur weltweiten Ölförderung bei. Iran stellt 2011 zudem erstmals seit 36 Jahren wieder den Opec-Präsidenten.

Kunden Hauptabnehmer für das iranische Öl sind China, Japan, Südkorea und Indien. Aber auch Lieferungen nach Europa haben im vergangenen Jahr wieder stark zugenommen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Ich empfehle noch den folgenden Film, um zu verstehen, wie das mit der Globalisierung funktioniert und die Länder mittels Schuldgeld geknechtet werden http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=Q6RJ9ugFxP8

  • Der Irak hatte vor seiner Eroberung das Öl auch nicht mehr gegen Dollar hergeben wollen. Das war ja, wie wir gesehen haben, nicht so gesund für ca. 1.000.000 Iraker ...

  • Es ist doch jedem Land selber überlassen, mit welche Währungen Sie ihre Abwicklungen machen. Wer zurzeit bei der Nachrichtenlage und dem Status von China immer noch mit Dollar abwickelt, der muss doch kurzsichtig sein. Die Amis können durch Rohstoffklau von den anderen Ländern ihren Status noch etwas in die Länge ziehen. Aber früh oder später wird es nicht mehr funktionieren und man wird den Untergang von dem Dollar ganz offen diskutieren, und entsprechend die Währung wechseln.

    Den wie heisst es so schön, bei Geld hört die Freundschaft auf :-)

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