Währungsstreit
Wirtschaftsminister Brüderle will in China schlichten

Deutschlands Wirtschaftsminister Rainer Brüderle will in China den Währungsstreit entschärfen. Der Yuan stieg derweil auf den höchsten Stand seit langem. Aus Sicht der Amerikaner ist die chinesische Währung damit jedoch immer noch viel zu niedrig bewertet.
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HB PEKING/WASHINGTON. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat im Streit zwischen USA und China um die Wechselkurse vor einem Handelskrieg gewarnt. „Wir müssen aufpassen, dass aus dem Währungskrieg kein Handelskrieg wird. China trägt als großes Land viel Verantwortung, dass es nicht nur Eskalation kommt“, sagte Brüderle dem Handelsblatt. Der FDP-Politiker will bei seinen Gesprächspartnern auf seiner China-Reise für ein Entgegenkommen Pekings zur Aufwertung der Währung werben. „Ich sehe mich als Missionar im Kampf gegen den Protektionismus“, sagte Brüderle.

Der Bundeswirtschaftminister kündigte an, sich auf dem kommenden G20-Gipfel in Südkorea eindeutig gegen Sanktionen für „Währungsdumping“ auszusprechen. „Über Gegenmaßnahmen nachzudenken, halte ich nicht für zielführend. Die Zeiten in denen man sich wirtschaftlich abschotten kann, sind im Zeitalter der Globalisierung vorbei“, sagte Brüderle. Am Ende stünden lediglich höhere Preise für unsere Verbraucher und eine Beschränkung unserer Exportmärkte. Eine Überwachung der Wechselkurse durch eine Weltzentralbank lehnte Brüderle ebenfalls ab: „Wir brauchen keine neuen Institutionen, der bestehende Rahmen reicht völlig aus“. Hinter derartigen Forderungen stünden immer auch Zweifel an der Eignung des US-Dollars als Weltreservewährung, sagte der Wirtschaftminister.

Brüderle beginnt heute in Peking Gespräche mit chinesischen Regierungsvertretern. Auf dem Programm stehen Treffen mit Handelsminister Chen Deming, dem Vorsitzenden der Nationalen Reformkommission Zhang Ping und dem Minister für Industrie Li Yizhong. Der FDP-Politiker war gestern aus Berlin mit einer Unternehmer-Delegation zu einem fünftägigen Besuch nach China und Japan aufgebrochen.

China hat derweil für mehr Geduld bei der Beseitigung von Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft geworben. Zu rasche Schritte könnten zu weiteren Problemen führen, sagte Zhou Xiaochuan am Montag auf einer Diskussionsveranstaltung mit anderen Zentralbankchefs in Washington. Die USA und andere Länder drängen China dazu, seine Währung schneller aufzuwerten. Mit dem künstlich niedrig gehaltenen Yuan verschafft sich das Land ihrer Ansicht nach Handelsvorteile. Zhou sagte, China unterstütze das Ziel der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20), ein „starkes, nachhaltiges, ausgewogenes Wachstum“ zu erreichen. Doch dazu trägt seinen Worten zufolge nicht nur eine Anpassung der Wechselkurse bei. Auch strukturelle Veränderungen seien nötig. Diese bräuchten zwangsläufig mehr Zeit.

Die chinesische Währung stieg am Dienstag auf den höchsten Stand gegenüber dem US-Dollar seit der Wechselkursreform vor mehr als fünf Jahren. Die Zentralbank in Peking legte den Kurs des Yuan mit 6,6732 je Dollar fest. Auf Basis dieses Mittelwerts kann der Yuan 0,5 Prozent nach oben und nach unten schwanken.

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  • Die Reuters meldet löst die ironie der Überschrift nicht auf.
    Handelt es sich um umfreiwillige Komik? in Zeiten dünner Redaktionen ist inzwischen alles denkbar.

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