Währungsunion
Expertenrat soll Polen auf Euro-Kurs bringen

Polen sucht den Weg in die Euro-Zone. Eigentlich hatte Finanzminister Jacek Rostowski das Jahr 2012 angepeilt. Dann wollte er den Zloty durch den Euro ersetzen. Doch die Wirtschaftskrise machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Seither diskutiert Warschau über die beste Strategie. Die Eckdaten im Überblick.
  • 0

BERLIN. Polens Regierung will der Zentralbank eine stärkere und unabhängige Rolle bei der geplanten Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung zukommen lassen. Dazu hat Warschaus Kabinett einen Nationalen Euro-Koordinierungsrat gebildet. Der ist vor allem mit Vertretern der Zentralbank besetzt und soll Polen auf den Weg zur Euro-Einführung zurückbringen.

Im Frühjahr hatte Finanzminister Jacek Rostowski wegen der Wirtschaftskrise seinen ursprünglichen Plan fallen gelassen, schon 2012 die europäische Einheitswährung einzuführen - parallel zur dann in Polen und der Ukraine ausgetragenen Fußball-Euromeisterschaft. Seither gibt es in Warschau heftige Diskussionen darüber, ob eine schnelle Euro-Einführung dem Land helfen könnte, weiter die am stärksten wachsende Volkswirtschaft in Europa zu bleiben. Das größte EU-Land Osteuropas wird in diesem Jahr als einziger Flächenstaat der Union Wirtschaftswachstum ausweisen: Die EU-Kommission hat soeben ihre Prognose für Polen auf 1,2 Prozent Zunahme des Bruttoinlandsprodukts angehoben und für die nächsten zwei Jahre 1,8 bzw. 3,2 Prozent Wachstum vorausgesagt.

Problematisch ist indes, dass sich die polnische Staatsverschuldung immer weiter der Maastricht-Obergrenze von 60 Prozent des BIP annähert. Um dieses Kriterium nicht zu überschreiten forciert die konservative Regierung von Premier Donald Tusk ihren Privatisierungskurs und will nach fünf Mrd. Zloty in diesem Jahr im kommenden Jahr 30 Mrd. Zloty (umgerechnet rund sieben Mrd. Euro) an Privatisierungserlösen einnehmen. Zugleich bietet die Regierung ausländischen Investoren noch mehr finanzielle Anreize für ein Engagement in Polen, um die Arbeitslosigkeit im Griff zu behalten.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Währungsunion: Expertenrat soll Polen auf Euro-Kurs bringen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%