Waffendiskussion nach Amoklauf
„Gewehre töten keine Menschen“

In den USA ist es für Kinder und Jugendliche oft einfacher an Daddys Waffe zu kommen als an Süßigkeiten. Trauriger Beleg ist der gestrige Amoklauf an einer Universität mit 33 Toten. Aber ändern wird sich an den US-Gesetzen nichts. Das stellte Präsident Bush bereits klar.

co/HB BLACKSBURG/DÜSSEDORF. Der Direktor nennt es „eine Tragödie monumentalen Ausmaßes“. Der blutigste Amoklauf in der Geschichte der USA mit 33 Toten schockt die Öffentlichkeit im Land. Ein Einzeltäter hatte am Montag der Technischen Hochschule Virginias in Blacksburg 32 Menschen erschossen und mindestens 15 verletzt, einige davon schwer. Nach dem Blutbad nahm er sich das Leben. Motiv und Hintergrund waren zunächst unklar.

Das Massaker hat auch die Diskussion um Waffenbesitz und -kontrollen in den USA neu entfacht. Als Befürworter des privaten Waffenbesitzes setzte US-Präsident George W. Bush daher alles daran, die Kritik bereits im Keim zu ersticken. Bushs Sprecherin Dana Perino sagte in einer Stellungnahme nach dem Amoklauf: „Der Präsident glaubt, dass Menschen ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen.“

Auch der republikanische Senator John McCain McCain, der sich um die Präsidentschatskandidatur bewirbt, stellte unmissverständlich klar: Der Vorfall müsse zwar genau untersucht werden, er ändere aber nicht seine Einstellung zum privaten Waffenbesitz. „Wir müssen sicherstellen, dass diese Art von Waffen nicht in die Hände böser Menschen fällt“, sagte er. Wie dies verhindert werden soll, erklärte er allerdings nicht.

Bush, McCain und die einflussreiche Lobby National Rifle Association (NRA) beziehen sich in ihrer Haltung auf den zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung. Kritiker wenden dagegen ein, dieser verbiete einer Regierung lediglich, Milizen, die beispielsweise im Unabhängigkeitskrieg gegen britische Truppen kämpften, zu entwaffnen.

Für den Präsidenten und seine Freunde zählt die Schusswaffe zum American Dream von der großen Freiheit und des Rechts auf Selbstverteidigung. Der Waffenbesitzer-Verband gibt Millionen für Lobbyarbeit aus, zahlt an Bundespolitiker und hat auch Bush bei seinen Wahlkämpfen unterstützt. Daraus ergibt sich eine Verpflichtung für den Präsidenten - trotz der Tatsache, dass jährlich tausende Menschen durch Feuerwaffen in den USA sterben. Offiziellen Angaben zufolge erleiden jedes Jahr in den USA mehr als 30 000 Menschen Schusswunden.

Die Uno-Forderung, den privaten Besitz von Handfeuerwaffen zu verbieten, kommt für die Bush-Regierung nicht in Frage. Umfragen zufolge sieht das die Mehrheit der Amerikaner genauso. Das Recht, Waffen zu tragen, ist in der US-Verfassung festgeschrieben.

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