Waffengeschäfte
Schmiergeldaffäre droht Sarkozy einzuholen

Eine Schmiergeldaffäre aus den 90er Jahren droht Nicolas Sarkozy einzuholen. Die Polizei hat einen engen Vertrauten des Präsidenten in Gewahrsam genommen. Hintergrund sollen Bestechungsgelder für Rüstungsgeschäfte sein.
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ParisEin Waffengeschäft und eine damit verbundene Schmiergeldaffäre aus den 1990er Jahren droht Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy einzuholen: Wegen des Verdachts der Verwicklung in die Affäre wurde am Mittwoch Sarkozys langjähriger Freund und Trauzeuge Nicolas Bazire in Gewahrsam genommen, wie Ermittler mitteilten. Ein bereits am Montag festgenommener früherer Berater Sarkozys, Thierry Gaubert, wurde dagegen wieder freigelassen.

Gaubert wurde am Mittwochabend in Paris von Richter Renaud van Ruymbeke zu der Affäre vernommen. Wie Gauberts Anwalt François Esclatine erklärte, leitete der Richter ein Ermittlungsverfahren gegen seinen Mandanten ein, setzte ihn anschließend jedoch auf freien Fuß. Angaben zu den Vorwürfen machte Esclatine nicht. Gaubert hatte Sarkozy in den 1990er Jahren als Kommunikationsberater gedient. Er soll zusammen mit einem Mittelsmann mehrmals Bargeld aus der Schweiz geholt haben, das anschließend Bazire übergeben worden sei, berichtete die französische Internetzeitung Mediapart.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mittelsmann Bestechungsgelder für zwei französische Rüstungsgeschäfte nach Pakistan brachte. Ein Teil des Gelds soll zurück nach Frankreich geflossen sein, um den Wahlkampf des damaligen konservativen Regierungschef Eduard Balladur für die Präsidentschaftswahl 1995 zu finanzieren. Bazire diente Balladur damals als Kabinettschef und war damit ein Kollege des damaligen Haushaltsministers Sarkozy, der von 1994 bis 1995 der Sprecher von Balladurs Wahlkampfteam war. Heute ist Bazire Topmanager beim Luxusgüterkonzern LVMH (Louis Vuitton-Moët Hennessy).

Nach Angaben der Ermittler steht das Attentat in der pakistanischen Hafenmetropole Karachi, bei dem 2002 elf Franzosen ums Leben kamen, die an den bestellten U-Booten arbeiteten, im Zusammenhang mit der Affäre. Demnach handelte es sich um eine pakistanische Racheaktion, als die zugesagten Schmiergelder aus Frankreich nach Balladurs Wahlniederlage nicht weiter gezahlt wurden.

Sarkozys parteiinterner Rivale, der frühere Regierungschef Dominique de Villepin, hatte in einer Aussage zur „Affäre Karachi“ bestätigt, dass ein Teil des Schmiergelds illegal nach Frankreich zurückgeflossen sei. Er sei „stark überzeugt“, dass das Geld zur Finanzierung von Balladurs Wahlkampf verwendet worden sei, sagte Villepin, der unter Wahlsieger Jacques Chirac erst Außenminister und später Regierungschef war.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Waffengeschäfte: Schmiergeldaffäre droht Sarkozy einzuholen"

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  • Na ja, elf tote Franzosen (+ vier Pakistani) wiegt das aber nicht auf.

  • Dafür bestellt man(n) schnell ein Baby, weil es doch so süß sich im Wahlkampf vermarkten lässt - mit gestellten Familienbildchen die Wähler einlullen.

  • Wahlkampf in Frankreich.

    Sarkozy sollte einfach sagen, dass die Schmiergelder deutsches Steuergeld waren (Franzosen geben sowas ja gerne aus) dann sind doch in Frankreich wieder alle zufrieden und können aufatmen.

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